Neue Erkenntnisse über Ureinwohner


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Landwirtschaft in prähispanischer Zeit

Vor einigen hundert Jahren begrub eine Tuffsteinlawine einige Höhlen am Risco Pintado nahe dem heutigen Bergdorf Temisas im Südwesten von Gran Canaria und schuf so eine Zeitkapsel, deren Inhalt bis zum heutigen Tage weitgehend unbeschadet überdauert hat.

Darin befanden sich Stoffbahnen, gewebt aus Pflanzenfasern, verschiedene Gegenstände aus Holz, Mahlsteine, Steinmörser und große Mengen von Körnern, Ähren und Pflanzenresten von Weizen, Gerste und Feigen.

Es war eine weitere drohende Steinlawine, welche die Landstraße GC-550 von Agüimes hinauf zum Bergdorf Temisas bedrohte, die dazu führte, dass die Höhlen wiederentdeckt wurden. Die Bauarbeiter, die im Auftrag der Inselregierung den Steilhang über der Straße säubern und befestigen sollten, legten im Juni vergangenen Jahres auch den Eingang zu den Höhlen wieder frei. Die Nähe der Baustelle zu der bekannten Fundstätte La Audiencia, die mehrere Wohn-und Lagerhöhlen der Ureinwohner umfasst, hatte schon im Vorfeld ein Archäologenteam auf den Plan gerufen, das die Ausgrabung so von der ersten Minute an begleiten konnte.

Nun hat die Inselregierung von Gran Canaria erste Ergebnisse der Ausgrabung präsentiert. Es handelt sich um drei große Höhlen, eine Fortsetzung des oberhalb gelegenen, schon lange bekannten Höhlenkomplexes, in denen offenbar die Früchte der Ernte verarbeitet wurden. Wie die Untersuchungen mit dem Mikroskop ergaben, wurden die Ähren des Getreides mit Obsidianmessern geschnitten. Vermutlich wären sie später zur Aufbewahrung nach oben in die Lagerräume gebracht worden. In den Höhlen fanden sich auch Hinweise darauf, dass es noch weitere Räume zu entdecken gibt. Die Archäologen glauben, dass bisher erst ein Viertel der Anlage freigelegt wurde.

Holz- und Getreideproben aus dem Fund wurden zur Altersbestimmung an mehrere Labore verschickt. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, lässt sich dieser seltene, intakte Fund geschichtlich einordnen, der neue Einblicke in das Leben und vor allem in die landwirtschaftlichen Methoden der Ureinwohner aus vorspanischer Zeit ermöglichen wird.




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