Mehr als eine Tonne Kokain an Bord


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Rekordfund in Privatjet bei Zwischenlandung auf Gran Canaria

Auf Gran Canarias Flughafen Gando wurde am 12. August ein aus Venezuela kommender Privatjet wegen des Verdachts auf Drogenschmuggel nach der Zwischenlandung festgehalten.

Die Besatzungsmitglieder, zwei Männer und eine Frau, wurden vorläufig festgenommen, was sich auch rasch als richtig erwies. Wie die Onlineausgabe der Zeitung Canarias7 berichtete, soll der Pilot gestanden haben, Rauschgift an Bord zu haben, noch bevor die Ermittler die Fracht der Maschine untersuchen konnten. Für den Transport des Kokains, das als humanitäre Hilfe in Einzelpakete verpackt getarnt war, waren die Sitze aus dem Passagierraum des Privatflugzeugs entfernt worden. Mehr als eine Tonne Kokain hatte die Maschine geladen, die aus Venezuela kam.

Venezolanische Behörden hatten Interpol verständigt, nachdem das Flugzeug ohne Genehmigung bei Nacht vom Flughafen Arturo Michelena in Valencia (Venezuela) gestartet war. Außerdem habe die Besatzung im Flugplan vorgegeben, nach Brasilien zu fliegen, die Maschine habe dann aber eindeutig Kurs auf Südeuropa genommen.

Venezolanischen Medien zufolge wurden im Zusammenhang mit dem Kokain-Fund in Venezuela 28 Personen festgenommen, darunter sieben Mitglieder der Guardia Nacional. Die südamerikanische Presse berichtete, dass unter den drei Besatzungsmitgliedern der Maschine zwei Deutsche (Kapitän und Kopilot) und eine Österreicherin seien. Spanische Medien berichteten hingegen von einem 39jährigen Piloten aus Kolumbien, einem deutschen Kopiloten (28) und einer ebenfalls deutschen Frau (29).

Das Kokain soll von einem kolumbianischen Drogenkartell stammen, das Interpol bislang unbekannt war.

Die aufgebrachte Kokain-Menge ist enorm und übertrifft den bisherigen Rekordfund von 400 kg auf den Kanaren. Wenn man bedenkt, dass bei einem Kokain-Fund diesen Sommer in Frankfurt, bei dem 50 kg Rauschgift beschlagnahmt wurden, der Schwarzmarktwert von den Ermittlern auf acht Millionen Euro geschätzt wurde, hätten die auf Gran Canaria beschlagnahmten 1.000 kg Koks rund 160 Millionen Euro auf dem europäischen Schwarzmarkt erzielen können.

Fünf Tonnen Rauschgift innerhalb von zehn Tagen

Der spanische Polizeichef Ignacio Cosidó teilte in einer Pressekonferenz mit, dass diesen Sommer innerhalb von nur zehn Tagen und bei verschiedenen Aktionen rund fünf Tonnen Kokain sichergestellt werden konnten, mehr als im Laufe des gesamten Jahres 2011. Dies bestätige, so Cosidó, dass man auf dem richtigen Weg sei, um den Rauschgiftschmuggel von Südamerika über Spanien nach Europa zu unterbinden. Spanische Drogenfahnder und Ermittler hätten außerdem verhindert, dass sich das mexikanische Sinaloa-Kartell in Spanien einrichtet und so den europäischen Markt erreicht (s. S. 39).

Ignacio Cosidó bezeichnete die erfolgreichen Aktionen der vergangenen Wochen als „harten Schlag“ gegen den internationalen Rauschgifthandel.




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