Leere Grabhügel

Die vier neu entdeckten Steinbauten erinnern an Grabhügel, doch wurde dort niemand bestattet.

In La Fortaleza wurden neue Bauten der Ureinwohner Gran Canarias entdeckt

Gran Canaria – An der archäologischen Fundstätte La Fortaleza im Südosten Gran Canarias, in der Caldera de las Tirajanas, wird zurzeit wieder gearbeitet. Schon in der ersten Phase der Grabungen wurden die Archäologen fündig: Vier Steingebilde aus vorspanischer Zeit wurden entdeckt.
Die Strukturen liegen dicht beieinander und haben verschiedene einfache geometrische Grundrisse, kreisförmig, rechteckig, dreieckig. Die größte hat einen Durchmesser von sechs Metern. Die Steine, aus denen sie erbaut sind, stammen nicht aus der Umgebung, sondern vom Grund einer nahe gelegenen Schlucht. Die meisten wiegen 15 bis 20 Kilogramm. Die Bauten ähneln den Grabhügeln, die in La Guancha de Gáldar gefunden wurden, jedoch ist darin niemand bestattet. Dennoch könnten sie Teil eines Friedhofs der kanarischen Ureinwohner sein.

Die Archäologen der Grabungsgesellschaft Tibicena bei der Arbeit an der Fundstätte. Es werden in der Umgebung noch mindestens zwei weitere ähnliche Anlagen vermutet.  Fotos: Cabildo de Gran Canaria/EFE
Die Archäologen der Grabungsgesellschaft Tibicena bei der Arbeit an der Fundstätte. Es werden in der Umgebung noch mindestens zwei weitere ähnliche Anlagen vermutet.
Foto: Cabildo de Gran Canaria/EFE

Als Behausung ungeeignet erinnern sie an ähnliche Bauten in Nordafrika, die als Territorialzeichen oder als leere Grabstätten, als Monumente zu Ehren einer oder mehrerer Personen, interpretiert werden.
Die Gegend, in der La Fortaleza liegt, war in vorspanischer Zeit mindestens 1.200 Jahre lang bewohnt, seit dem 3. oder 4. bis ins 15. Jahrhundert, und ist eine der ersten, die auf Gran Canaria besiedelt wurde.
Wie Marco Moreno von der Grabungsgesellschaft Tibicena erläuterte, sind Steinbauten dieser Art, welche keine menschlichen Überreste enthalten, bisher auf den Kanaren unbekannt. Sie könnten zu der Nekropolis der Ureinwohner am Roque de la Fortaleza Chica gehören. Die Archäologen gehen davon aus, dass noch zwei weitere ähnliche Anlagen vorhanden sind, weshalb der Grabungsbereich nun ausgeweitet werden soll. Es wäre möglich, so Moreno, dass es weitere Bauten dieser Art auf Gran Canaria gab, diese jedoch, weil keine Toten darin bestattet waren, nicht als solche erkannt und einfach abgetragen wurden.

Die Archäologen der Grabungsgesellschaft Tibicena bei der Arbeit an der Fundstätte. Es werden in der Umgebung noch mindestens zwei weitere ähnliche Anlagen vermutet. Foto: Cabildo de Gran Canaria/EFE

Die Fundstätte La Fortaleza umfasst ein ausgedehntes Gebiet, das Fortaleza Grande, La Fortaleza Chica und Titana beinhaltet. Dort gibt es zahlreiche natürliche und künstliche Höhlen, einige davon enthalten Reste von Zeichnungen. Sie dienten den Ureinwohnern als Wohnstätten, Getreidespeicher oder Gräber. Außerdem gibt es kreisrunde Bauten auf der Anhöhe von La Fortaleza Grande, die vermutlich religiösen Zwecken gewidmet waren.

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