Kinderherzchirurgie bleibt im Dienst


Gesundheitsressort gab dem öffentlichen Druck nach und setzte die Schließung der Abteilung aus

Anfang November nahmen Ärzte und Eltern herzkranker Kinder fassungslos zur Kenntnis, dass die Kinderherzchirurgie des Hospital Materno Infantil de Canarias (Entbindungs- und Kinderklinik) in Las Palmas – die einzige Abteilung dieser Art auf den Kanarischen Inseln – geschlossen wird und alle kranken Kinder in Kliniken auf dem Festland verlegt und behandelt werden sollten.

Nach Angaben der zuständigen Ressortleiterin sollten qualitative Vorgaben die Entscheidung begründet haben. Aufgrund des Protestes der Betroffenen und des öffentlichen Drucks ruderte das Gesundheitsressort schlussendlich zurück.

In der Abteilung für Kinderherzchirurgie der Entbindungs- und Kinderklinik von Las Palmas werden die unter einem angeborenen Herzleiden erkrankten kanarischen Neugeborenen und Kinder behandelt und operiert. Laut Brígida Mendoza, Leiterin des kanarischen Gesundheitsressorts, steht die Abteilung jedoch seit 2001 unter einer etwas merkwürdig anmutenden Organisation. Einmal pro Woche statten italienische Kinderherzspezialisten der Abteilung einen Besuch ab, um die besonders schweren Fälle zu behandeln und Operationen durchzuführen, denn die festen Abteilungsärzte sollen nicht über eine derart lange und umfassende Ausbildung verfügen, wie sie für die Behandlung seltener und schwerer Herzleiden bei Kindern erforderlich ist. Die kleinen Patienten mit weniger schweren Herzerkrankungen wurden entweder von den kanarischen Ärzten oder auf dem Festland behandelt.

Nun wurde festgestellt, dass die Vorgaben zur Absicherung einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung bei einer solchen Organisation nicht eingehalten werden konnten. Das Gesundheitsministerium schreibt mindestens 150 Operationen im Jahr vor, doch in der kanarischen Kinderherzchirurgie wurden im letzten Jahr nur 86 und bis September dieses Jahres gerade 40 Eingriffe vorgenommen – zu wenig, als dass die Ärzte die für Operationen nötige Übung und Geschicklichkeit beibehalten könnten, zumindest nach internationalen Standards.

Anfang November beschloss die Regionalregierung, die Abteilung am 1. Januar zu schließen und alle herzkranken kanarischen Neugeborenen und Kinder zur Behandlung in Festlandskliniken zu überweisen. Die Entscheidung sollte ausnahmsweise nicht aus wirtschaftlichen Gründen sondern wegen der nicht möglichen Aufrechterhaltung der qualitativen Standards gefallen sein. Kritische Stimmen wiesen darauf hin, dass es jedoch auf dem Festland diverse Kinderherzchirurgien mit ähnlichen Zahlen gäbe, die nicht geschlossen würden.

Die betroffenen Familien waren verzweifelt. Bei einer akuten Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines am Herzen erkrankten Kindes spielt die Zeit eine wichtige Rolle; der lange Flug zum Festland könnte tödlich enden. Außerdem stellten sie die Frage, ob im Falle einer frühzeitigen Geburt eines am Herzen erkrankten Babys auf den Kanaren eine dem aktuellen Stand der Medizin gerechte Versorgung gewährleistet sei.

Doch die Betroffenenvereinigungen wollten nicht aufgeben, für ihre und die zukünftigen kranken Kinder zu kämpfen, und hatten bis Mitte November 15.000 Unterschriften gegen die Schließung der kanarischen Kinderherzchirurgie gesammelt.

Das Gesundheitsressort lenkte schließlich ein und einigte sich mit den Betroffenenvereinigungen auf folgende Lösung: Die Abteilung bleibt im Dienst. Auf die italienischen Ärzte will man in Zukunft verzichten und die schwer erkrankten Kinder zum Hospital Vall d’Hebron (Barcelona) fliegen. Langfristig gesehen soll die Kinderherzchirurgie umstrukturiert werden, um in Zukuft auch seltene und schwere Herzerkrankungen kleiner Patienten behandeln und operieren zu können.




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