Katasterbeamte halfen bei der Aneignung von Immobilien


Drei Katasterbeamte und sechs weitere Mitglieder der kriminellen Vereinigung wurden festgenommen

Eine Gruppe von Beamten, Notariatsangestellten und Verkäufern hat auf Gran Canaria rechtswidrige Immobiliengeschäfte getätigt.

Mit gefälschten Katasteramts- und Notariatspapieren und ebenso falschen Privatverträgen wurde Grundeigentum, das oft noch auf den Namen einer verstorbenen Person eingetragen war, ohne Wissen der rechtmäßigen Eigentümer veräußert. Die gefälschten Dokumente gaben den Anschein von Legalität und ermöglichten die Eintragung auf den neuen Besitzer. 

Die Guardia Civil hat neun mutmaßlich Beteiligte festgenommen, drei davon sind Katasterbeamte. Ihnen wird Betrug, Urkundenfälschung, Geldwäsche, Bestechung, Amtsmissbrauch, Untreue, Handelsgeschäfte, welche Beamten verboten sind, und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. 

Die Aktivitäten der Gruppe beschränkten sich offenbar auf Gran Canaria. Die Grundstücke, welche sich die Betrüger aneigneten, haben eine Gesamtfläche von rund 50.000 Quadratmetern und einen Wert von über zwei Millionen Euro. 

Die polizeilichen Ermittlungen wurden aufgrund einer Anzeige in Gang gesetzt und liefen seit März dieses Jahres unter dem Decknamen „Operación Lindes“ (Grundstücksgrenzen), die nun abgeschlossen ist. Insgesamt 21 Eigentümer, sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, wurden geschädigt. Auch verschiedene Notare, die Abläufe der betrügerischen Immobilienverkäufe beurkundeten, gehören zu den Betrogenen.

Im Juni 2015 flog eine ähnlich operierende kriminelle Gruppe auf Teneriffa auf. Im Rahmen der Ermittlungen der „Operación Perceval“ stellten die Ermittler der Abteilung für organisierte Kriminalität (UCO) der Guardia Civil fest, dass die beteiligten Personen Änderungen in der Datenbank des Eigentumsregisters vornahmen: Sie änderten nicht nur die Größe der Grundstücke auf den offiziellen Plänen, sondern stellten auch die hierzu gehörenden Bescheinigungen aus. Diese Zertifikate wurden von dem im Notariat tätigen mutmaßlichen Komplizen beglaubigt, um dann mit den beurkundeten Dokumenten die Einschreibung auf die Namen der „neuen Besitzer“ vorzunehmen. Auch wurden Parzellen an neue Eigentümer übertragen oder die Gebühren der Gemeindesteuern reduziert. Die Bearbeitung der Akten, die normalerweise monatelang dauert, war in wenigen Tagen erledigt. Die „Kunden“ der kriminellen Organisation waren vorwiegend Experten aus dem Immobiliensektor, die eine schnelle Abwicklung sowie die Ausführung von Verwaltungsakten suchten, die die offiziellen Ämter nicht bieten. Die mutmaßlichen Beteiligten erhielten im Gegenzug hohe Geldsummen.

Festgenommen wurden ein ehemaliger Notariatsmitarbeiter, ein Beamter des Katasteramtes in Santa Cruz und ein Immobilienexperte.




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