Fallschirmspringen über Playa del Inglés


© Skydive Gran Canaria

Mein erstes Mal: Skydiving auf Gran Canaria

Heute werde ich freiwillig aus einem Flugzeug springen, das in dreieinhalb Kilometern Höhe im Himmel über Gran Canaria fliegt. Allein der Gedanke daran lässt Panik in mir aufkommen.

Lebensmüde bin ich aber nicht, ganz im Gegenteil: Ich will mein Leben in vollen Zügen genießen und suche den Nervenkitzel, den ultimativen Adrenalin-Kick. Das Gefühl des freien Falls soll angeblich wie eine Droge wirken – mit großem Suchtpotential. Menschen, die das regelmäßig als Sport betreiben, bestätigen das sofort.

Sie werden Skydiver genannt, „Himmelstaucher“, die nichts lieber tun, als sich aus einem Flug­zeug zu stürzen, um solange wie mög­lich den Rausch des freien Falls zu erleben, sich dabei zu drehen und mit anderen Springern Figuren am Himmel zu bilden.

Manche machen ihre Leidenschaft zum Beruf und bieten Tandem-Sprünge an. Einen solchen Tandem-Fallschirmsprung habe ich heute bei „Sky Dive Gran Canaria“ gebucht, im einzigen Skydiving-Revier der Kanarischen Inseln. Paco, mein Tandem-Master ist der Präsident des Springer-Clubs im Süden von Gran Canaria. Paco hat in den letzten 30 Jahren schon unglaubliche 19.000 Sprünge absolviert und sieht trotzdem noch recht lebendig aus. „Die Überlebenschance ist also relativ hoch“, rede ich mir ein, was die Nerven aber nur bedingt beruhigt.

 Nach einer kurzen Einweisung soll ich den Sprunganzug anziehen und merke dabei plötzlich, wie die Knie doch weich werden. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt jedoch nicht, denn Paco nimmt mich schon mit zur Startpiste des Flugplatzes „El Berriel“, wo die kleine Cessna auf uns wartet, die uns nun bis auf circa 3.500 Meter Höhe bringen soll. Die einmotorige Maschine ist speziell präpariert, es gibt weder Türen noch Sitze, außer für den Piloten. Schon sind wir in der Luft und die Maschine schraubt sich langsam in die Höhe, während uns der Fahrtwind um die Ohren pfeift. Nach wenigen Minuten lassen wir die Wolkendecke unter uns und sehen in der Ferne den Gipfel des 3.718 Meter hohen Teide auf Teneriffa.

Beim Gedanken, dass ich gleich sozusagen vom Teide springen werde, wird mir nochmal etwas mulmig, doch die Vorfreude überwiegt immer mehr. Je höher es geht, umso weniger Angst spielt mit. Nach zwanzig Minuten gibt der Pilot das Zeichen, wir sind jetzt in der „Drop Zone“. Wir ziehen die Fliegerbrillen auf und mein Master zurrt die Gurte nochmal fest, die uns in den nächsten Minuten als menschliches Paket zusammenhalten werden. Ich lege den Kopf schräg in den Nacken und winkel die Beine an, so wie es mir noch am Boden beigebracht wurde.

„Mir wird klar, warum die Vögel singen“

Dann geht’s los: Paco stößt uns ab und unsere Körper beschleunigen wie ein wild gewordener Sportwagen in kürzester Zeit auf knapp 200 km/h, das sind unglaubliche 55 Meter pro Sekunde! Etwa zwei Sekunden braucht mein Körper, um sich zu orientieren. Der Luftwiderstand pfeift mir entgegen, während ich wie ein Vogel die Arme ausbreite und sich eine brennende Euphorie in mir ausbreitet. Ich verliere jedes Zeitgefühl, die knapp 50 Sekunden im freien Fall kommen mir später wie Minuten vor. Ich erlebe das unglaubliche Gefühl zu fliegen; da wird mir klar, warum die Vögel singen.

Kurz bevor wir die Wolkendecke erreichen, zieht Paco die Reißleine und mit einem Ruck bremst uns der Fallschirm ab. Wir schweben gemütlich durch die Wolken und, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, genieße ich die Aussicht über die Dünen von Playa del Inglés.

Wenige Minuten später landen wir sanft im weichen Sand der Dünen. Als ich Paco umarme und mich für die unglaubliche Erfahrung bedanke merke ich, wie auch dem Fallschirm-Profi selbst nach seinen vielen Tausend Sprüngen noch ein breites Grinsen ins Gesicht gezeichnet ist. Ein wirklich beneidenswerter Job, denke ich, und bin mir sicher, dass dies nicht mein letzter Sprung war. Schon beim nächsten Mal könnte ich einen kurzen Kurs absolvieren und anschließend selbstständig springen. Das Adrenalin-Virus hat mich infiziert.

Ein Tandem-Sprung bei „Skydive Gran Canaria“ kostet je nach Höhe und Anzahl der Springer zwischen 150 und 250 Euro, einzige Voraussetzung: Nicht mehr als 96 Kilo wiegen. Weitere Infos über Tel. 675 573 245 (nur span.), E-Mail: skydivegrancanaria@ mundivia.es oder direkt bei Paco, Tel. 607 62 60 50 (er spricht perfekt Deutsch).




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.