Eine Seilbahn zum Roque Nublo?


© Moisés Pérez

Neue touristische Idee für Gran Canaria

Der kleine Ort Tejeda liegt am Fuße des Bergmassivs, das vom „Roque Nublo“ („Wolkenfelsen“) gekrönt wird. Der ist zwar nicht der höchste Punkt der Insel, aber der bekannteste, da die zylindrische Felsspitze sehr markant aufragt. Obwohl viele Besucher eine Wanderung um den Roque unternehmen, verliert Tejeda, wie andere Bergdörfer auch, immer mehr Einwohner, da es hier keine Arbeit gibt.

Nun hat der Vorsitzende des örtlichen Unternehmerverbandes, Rafael Cabrera, seine Idee zur Tourismus-Aktivierung der Zone vorgestellt: Eine Seilbahn soll vom Ort zum Roque führen. Auf etwa 2,5 km Strecke würde sie 600 Höhenmeter überwinden und in einem Bergeinschnitt etwa 200 m unterhalb des Roque ihre Bergstation haben. Sieben bis acht Minuten würde die Fahrt in einer der 40-Personen fassenden Kabinen dauern. Cabrera rechnet mit einer Investitionssumme von 15 Millionen Euro. Bei, so hofft er, Hunderten von Besuchern täglich, würde neues Leben in den Ort Tejada kommen, und allein der Betrieb und Unterhalt der Anlage könnte mehr als 20 Arbeitsplätze schaffen.

Heiße Diskussionen

Obwohl es sich bei dem Vorschlag nicht um ein konkretes Projekt oder eine Planung handelt, sondern nur um eine Idee, eröffnete dieser, wie immer in solchen Fällen, ein breitgefächertes Diskussionsfeld. Während der Hotel- und Tourismusverband den Vorschlag begrüßt und ein neues „Emblem der Insel“ darin sieht, rät die Bürgermeisterin von Tejada, Encarna Domínguez, zu Besonnenheit und meint diplomatisch, es sei eine gute Idee, die aber erst einmal „reifen“ müsse.

Die Umweltschützer sind, wie zu erwarten, gegen eine Seilbahn. Der Sprecher des Verbands „Ben Magec“, Roberto Martín, nannte das Projekt „Blödsinn“ und ergänzte, es passe nicht in den Naturpark um den Roque Nublo. Er hofft, das Projekt fände wenig öffentliche Unterstützung und glaubt, bei mehr Besuchern würde der Felsen noch mehr Schäden davontragen als ohnehin schon. Welche Schäden das sein sollen, ließ er allerdings offen. Cabrera hingegen verteidigte seine Idee mit dem Hinweis, dass der ökologische Schaden für die Landschaft minimal wäre, denn außer den beiden Stationen wäre nur punktuell ein Eingriff in die Natur in Form der Träger nötig. Der Vizepräsident der Inselregierung, Román Rodríguez, meinte, der Vorschlag sei es wert, untersucht zu werden, um herauszufinden, inwieweit er ökonomisch und ökologisch realisierbar ist. In jedem Fall müsse ein solches Projekt aus privaten Mitteln finanziert werden.




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