Drama auf See

Eines der Kinder wird von Helfern an Land getragen. Foto: EFE

Eines der Kinder wird von Helfern an Land getragen. Foto: EFE

Ein kleiner Migrantenjunge starb bei der Überfahrt, der Leichnam wurde vor den Augen von Mutter und Schwester über Bord geworfen

Gran Canaria – Der Versuch einer Mutter von Zwillingen, einem Jungen und einem Mädchen, aus Guinea, über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln und von dort aus nach Belgien zu gelangen, wo sich der Vater der Kinder befindet, nahm eine tragische Wendung, als der neunjährige Sohn Alhassane während der viertägigen Irrfahrt des Bootes verstarb.
Die kleine Familie hatte schon einige Zeit bei Verwandten in Marokko verbracht. Am Morgen des 12. Januar stieg die Mutter mit Alhassane und seiner Schwester Awa in eine sechs Meter lange offene Patera. Diese war ungewöhnlicherweise in der Mehrzahl mit Frauen besetzt, insgesamt zwanzig, sowie mit vier Kindern, zwei von ihnen unbegleitet, und elf Männern. Die meisten stammen aus Guinea und von der Elfenbeinküste.
Am Morgen des darauffolgenden Tages alarmierten besorgte Verwandte aus Marokko über die Hilfsorganisation Caminando Fronteras die Seenotrettung und die Guardia Civil. Sofort wurde eine Suche eingeleitet und das Flugzeug Sasemar 101 entdeckte die Patera zwei Tage später 164 Km südwestlich von Gran Canaria und ebenso weit von Kap Bojador (Westsahara) entfernt, im Atlantik treibend. Der holländische Frachter UAL Texas harrte bei dem Boot aus und versorgte die Insassen mit Wasser, bis der Rettungskreuzer Guardamar Talía eintraf und die Migranten an Bord nahm. Alle waren sehr geschwächt und mussten teilweise an Land getragen werden. Eine schwangere Frau und drei weitere Insassen wurden in ein Krankenhaus gebracht.
Für Alhassane kam die Hilfe zu spät. Im Hafen von Arguineguín erfuhren die bestürzten Helfer von der kleinen Awa, dass ihr Bruder während der Fahrt gestorben und über Bord geworfen worden war. Ihre Mutter war außer sich vor Verzweiflung und nicht ansprechbar. Sie musste sediert und in psychiatrische Behandlung gebracht werden.
Awa und die beiden unbegleiteten Kinder, zwei Mädchen, wurden zunächst in das Zeltlager für Migranten in Barranco Seco auf Gran Canaria gebracht.
In diesem Zentrum, das nur für Erwachsene vorgesehen ist, herrschen zurzeit schlimme Zustände aufgrund der starken Regenfälle sowie mangelhafter hygienischer Bedingungen.
Ein Kinderarzt, der zur Behandlung der Mädchen hinzugezogen wurde, überwies diese sofort ins Mutter-Kind-Krankenhaus, obwohl nur eines der Mädchen dessen bedurfte, weil „Barranco Seco für niemanden der rechte Ort ist, schon gar nicht für ein Kind“.
Die beiden unbegleiteten Mädchen wurden in die Obhut der zuständigen Behörden übergeben. Was Awa angeht, muss abgewartet werden, ob ihre Mutter bald aus der Psychiatrie entlassen werden kann.

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