Die Monsterflagge flattert wieder


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PP löst Wahlversprechen ein und hisst die Riesenflagge wieder, die José Manuel Soria vor fünf Jahren für 360.000 Euro in Auftrag gab

Las Palmas zeigt Flagge, und zwar die eigene in XXL. Seit 7. September flattert sie wieder am stattlichen Mast an der Plaza de la Fuente Luminosa im Wind, die überdimensionale gelb-blaue Flagge Gran Canarias, und sorgt auch wieder für reichlich Diskussionsstoff.

Während die einen das Symbol des Inselpatriotismus begrüßen und mit Stolz als Wahrzeichen feiern, kritisieren andere die enormen Kosten, die durch den Erwerb der Monsterflagge entstanden und durch die Instandhaltung des Symbols aus 300 Quadratmetern Stoff weiter entstehen werden.

Gran Canarias Cabildo-Präsident José Miguel Bravo de Laguna (PP) hatte es sich im Wahlkampf buchstäblich auf die Fahne geschrieben, die vor Jahren abgehängte Riesenflagge wieder zu hissen. Im Jahr 2006 hatte sein Parteikollege und damaliger Cabildo-Präsident José Manuel Soria (PP) – heute Parteivorsitzender auf den Kanaren – mit der „Bandera“ für Schlagzeilen gesorgt. Einen 50 Meter hohen Fahnenmast ließ Soria anbringen, um das enorme Symbol von weit her sichtbar zu machen. Bei der feierlich inszenierten Fahnenhissen nahm er den Vorwurf von Kritikern, er leide offenbar an einem Napoleon-Komplex, ungerührt hin und stellte nur fest: „Wir müssen uns nicht für einen Komplex schämen, den wir nicht haben, wenn wir der Welt unsere Flagge zeigen.“ Ausgelöst wurde die Kontroverse in erster Linie durch die enormen Kosten. 360.000 Euro hatte Soria für die XXL-Flagge hingeblättert. Als das Tuch nur knapp eine Woche, nachdem es erstmals gehisst worden war, riss und zu Boden fiel, war bei den Kritikern die Schadenfreude groß. Danach wurde erstmals auch der Sicherheitsaspekt beleuchtet, denn was wäre wohl gewesen, wenn die Flagge auf Passanten gefallen wäre? Daraufhin war es mit der Beflaggung erstmal vorbei. 

Unter dem späteren Cabildo-Präsidenten José Miguel Pérez (PSOE) war die Flagge kein Thema mehr, und so ragte der Mast jahrelang kahl in den blauen Himmel. Nach der wiedererlangten Macht der PP in der Inselverwaltung am 22. Mai dieses Jahres wurde beschlossen, die Fahne erneut zu hissen. Am 7. September waren Cabildo-Präsident Bravo de Laguna und Soria ebenso wie Las Palmas’ Bürgermeister Juan José Cardona (ebenfalls PP) dabei anwesend. Dass von der CC die Kritik laut wurde, das Hissen der Flagge symbolisiere die Verschwendungssucht der PP, störte niemanden. Laut José Luis Perestelo von der CC, werde die Flagge einen jährlichen Aufwand von 30.000 Euro verursachen. Dass die Flagge ein teures Symbol ist, bestätigte indirekt auch Ex-Cabildo-Chef José Miguel Pérez. Während seiner Amtszeit habe die Flagge aus Kostengründen in einer Kiste geruht. Außerdem habe ihm ein technisches Gutachten vorgelegen, das vom Hissen der Flagge an dieser Stelle abriet. Man dürfe nun aber nicht aus einem Symbol der Allgemeinheit ein Parteisymbol machen, mahnte er.




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