Alarm auf Gran Canaria wegen Entführungsversuchen von Kindern


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Ein Verdächtiger wurde verhaftet – Zusammenhänge mit den vermissten Kindern Yeremi Vargas und Sara Morales werden nicht ausgeschlossen

Spätestens seit vor inzwischen schon über zehn Monaten der siebenjährige Yeremi Vargas in der Nähe der Wohnung seiner Großeltern in Vecindario auf Gran Canaria entführt wurde, ist besonders bei Eltern die Angst und Sorge um ihre Kinder groß.

Bis heute gibt es von dem kleinen Jungen keine Spur. Ebenso wenig haben die Ermittler bislang etwas über die 15-jährige Sara Morales herausgefunden, die vor über einem Jahr ebenfalls auf Gran Canaria verschwand.

Immer wieder tauchten seitdem Meldungen über weitere Entführungsversuche von Kindern auf, die sich meist in der Umgebung der Gemeinde Telde, aber auch im Norden der Insel zugetragen haben sollen. Bis vor wenigen Tagen verliefen sich jedoch sämtliche von den Ermittlern verfolgte Spuren im Sande.

Das änderte sich Mitte Januar. Ein zehnjähriges Mädchen, das am 4. Januar in dem zu Telde gehörenden Stadtteil La Garita nur knapp einem Entführungsversuch entkam, erkannte auf Polizeifotos von verurteilten bzw. vorbestraften Sexualstraftätern, den Mann wieder, der sie Tage zuvor versucht hatte, in einen weißen Kleinlieferwagen zu zerren. Der Versuch war nur miss­glückt, weil es der zehnjährigen Sandra Domínguez gelang, sich loszureißen und wegzulaufen.

Am 10. Januar wurde der mutmaßliche Täter, der 37-jährige Marcos Javier R.C. aus Las Palmas de Gran Canaria, verhaftet. Bei einer Gegen­überstellung im Kommissariat identifizierte Sandra ihn erneut ohne Zweifel als den Mann, der sie entführen wollte. R.C. wurde unter anderem 2004 wegen Missbrauchs seiner damals dreijährigen Tochter zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt, hat die Strafe bislang jedoch noch nicht abgesessen.

Die Ermittler, die natürlich nicht umhin kamen, bei diesem Fall auch einen möglichen Zusammenhang mit Yeremi Vargas und Sandra Morales nicht außer Acht zu lassen, schritten umgehend zur Durchsuchung verschiedener Immobilien sowie seines Autos, in dem Blutreste gefunden wurden.

Besonderen Verdacht erregte jedoch die Nachricht, dass der Verdächtige lange in einem Tierkrematorium gearbeitet hat, in dem er nach Polizeiberichten zeitweise sogar gewohnt haben soll. Das Krematorium mit dem Namen Haydee befindet sich im Industriegebiet Salinetas und ist seit ca. vier Jahren nicht mehr in Betrieb. Im letzten Sommer wurde jedoch ermittelt, da es in dem Gebäude gebrannt haben soll bzw. mehrmals Rauch aus dem Schornstein des eigentlich geschlossenen Krematoriums stieg.

Über Stunden durchsuchten die Ermittler nun im Beisein des Verdächtigen das Gebäude, gruben sogar mehrere Erdstücke in der Umgebung um, immer auf der Suche nach möglichen Überresten von menschlichen Körpern. Doch sowohl diese Durchsuchung als auch die Überprüfung einer Wohnung und einer Garage in Las Palmas, die Marcos R.C. gehören, haben bislang nichts ergeben. Ein Polizeisprecher erklärte in diesem Zusammenhang jedoch, dass die Laboruntersuchungen der dort sichergestellten Proben noch Wochen dauern können.  Fest stehe bislang nur, dass keine sterblichen Überreste gefunden wurden.

Der Ermittlungsrichter erhob wegen versuchter Entführung Anklage und ordnete am  11. Januar die Einweisung von Marcos R.C. ins Gefängnis an, ohne die Möglichkeit auf Kaution freizukommen. Wegen Selbstmordgefahr wird er besonders überwacht. Über einen möglichen Zusammenhang zwischen diesem Fall und den vermissten Kindern Yeremi und Sara halten sich die Ermittler bislang jedoch bewusst bedeckt. Wenige Tage später wurde in Maspalomas ein zweiter Verdächtiger verhaftet, den die Polizei als einen möglichen Komplizen von R.C. ansah. Allem Anschein nach hatte die zehnjährige Sandra ausgesagt, am Steuer des weißen Lieferwagens habe ein weiterer Mann gesessen. Aus Mangel an Beweisen wurde der zweite Verdächtige jedoch schon einen Tag später wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Behörden rufen zur Umsicht auf und warnen davor, voreilige Zusammenhänge zwischen diesem Fall und anderen Entführungsversuchen oder gar den vermissten Kindern zu sehen.




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