Stabil durch die Krise

Feierte im Januar Eröffnung: das neue Co-Nomad.life Gemeinschaftsbüro mit Sitzmöglichkeiten und Stehtischen. Foto: kathrin lucia meyer

Feierte im Januar Eröffnung: das neue Co-Nomad.life Gemeinschaftsbüro mit Sitzmöglichkeiten und Stehtischen. Foto: kathrin lucia meyer

Auf Fuerteventura hat sich seit der Breitbanderschließung in 2019 eine lebendige Szene an digitalen Nomaden aus ganz Europa etabliert

Fuerteventura – Während die Corona-Pandemie den Coworking-Sektor auf dem spanischen Festland stark getroffen hat und viele der Gemeinschaftsbüros in Städten schließen müssen, scheinen jene auf den Kanaren gut durch die Krise zu kommen. Vor allem Fuerteventura, wo die Zahlen bis Ende 2020 vergleichsweise niedrig waren, verzeichnet einen Zuwachs an Anfragen mobil arbeitender Menschen aus ganz Europa. Das zumindest berichtet Ettore Lucchesi, der seit 2017 den Coworking Space „Hub Fuerteventura“ in Corralejo betreibt: „Seit März 2020 haben wir mehr als doppelt so viele Zugriffe auf unsere Website“. Seien es bislang eher Surfer gewesen, die mal für ein paar Tage und eher unregelmäßig einen Arbeitsplatz mit schnellem Internet suchten, so kämen nun vor allem „Langzeiturlauber“, die ihr Büro einfach kurzerhand auf die Insel verlegt hätten. „Wir haben nun ein ganz anderes Klientel“, berichtet Lucchesi, gebürtiger Sizilianer und seit 2014 auf den Kanaren. Für 10 Euro pro Tag oder 150 Euro pro Monat können sich die mobilen Arbeiter in dem Hub in der Calle Galicia 31 einbuchen – Wasser und frische Früchte inklusive.
Die Pandemie hat in vielen europäischen Ländern dazu geführt, dass neben den Selbstständigen auch immer mehr Festangestellte, ausgestattet mit Firmenlaptop und sicheren VPN-Verbindungen, im mobilen „Homeoffice“ arbeiten können. Voraussetzung dafür: stabiles Internet. Deshalb sind Coworking Spaces momentan gefragt. Immer mehr Hotels und Privatunterkünfte auf Fuerteventura sind zwar ans Glasfasernetz angeschlossen, aber nicht überall klappt es reibungslos mit der Verbindung. Wenn im Hotel alle gleichzeitig im Netz sind, Dateien herunterladen oder Videos streamen, kann es schon mal passieren, dass die eigene Verbindung während der Videokonferenz darunter zu leiden hat. Stabiler und ohne Unterbrechung läuft es in den beiden Coworking Spaces in Corralejo. Allerdings auch dort nur unter Auflagen. Statt bislang bis zu 25 Arbeitsplätze darf Lucchesi seit März nur noch 15 vermieten, Mindestabstände zwischen den Plätzen sowie ein Hygienekonzept sind einzuhalten.

Coworken mit Surfboard: im Hub Fuerte Coworkingspace gibt es aktuell 15 Arbeitsplätze. Foto: kathrin lucia meyer
Coworken mit Surfboard: im Hub Fuerte Coworkingspace gibt es aktuell 15 Arbeitsplätze. Foto: kathrin lucia meyer

Um dennoch alle unterzubekommen, hat Ettore Lucchesi mit Kooperationspartnerin Varsha Krishnani Räume für einen zweiten Space in Corralejo gesucht, auch um den erhöhten Ansprüchen des professionelleren Klientels gerecht werden zu können. In den neuen Räumen in der Av. Juan Carlos I in Corralejo, die Mitte Januar eröffnet werden konnten, finden sich neben größeren Räumen für Workshops auch exklusive Einzelbüros, die man ab 30 Euro täglich oder 220 Euro pro Monat buchen kann.
Statt der obligatorischen Surfboards, die man im alten Hub am Hafen findet, schätzen die Gäste des neuen „Co-Nomad.life“ den vollelektrischen Kaffeeautomaten.
„Ich finde es klasse, dass man hier auch analog schnell Anschluss findet“, sagt Kathrin Lucia Meyer, Autorin aus München, die den Winter zusammen mit ihrem Freund auf Fuerteventura verbringt und tageweise im Hub arbeitet. Wie in einem „richtigen“ Büro mit „echten“ Kollegen auch, tauschen sich die Coworker während der Arbeit untereinander aus, gehen zusammen Kaffeetrinken oder zum Mittagessen, treffen sich auf ein Feierabendbier und zu gemeinsamen Aktivitäten an den Wochenenden.
Lucchesi ist überzeugt, dass sich der Trend zum mobilen Arbeiten auch nach der Coronakrise weiter beschleunigen wird. Zusammen mit Krishnani sucht er derzeit nach neuen Standorten für Gemeinschaftsbüros – ein Coworking Space mit direktem Meerblick fehle in Corralejo noch, so der Unternehmer.

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