Vulkanologische Aktivität hat sich stabilisiert


© Moisés Pérez Pérez

Finanzielle Hilfen laufen nur schleppend an

Nachdem ein weiterer Gasaustritt im Mar de las Calmas entdeckt wurde, stabilisierte sich die vulkanologische Aktivität auf El Hierro. Doch die Bevölkerung leidet zunehmend unter den wirtschaftlichen Auswirkungen und es häufen sich die Beschwerden über mangelnde Koordination bei den Behörden und unzureichende Hilfen.

Neuer „Spot“ entdeckt

Ende November entdeckte ein Hubschrauber der Guardia Civil einen neuen Gasaustritt im Mar de las Calmas. Dieser befindet sich 200 Meter östlich des Hauptspots. Aufgrund der vermehrten Emissionen vergrößerte sich der Schwefel- fleck vor La Restinga.

Insgesamt stieg der Kohlendioxidausstoß weiter an, doch ansonsten konstatierten die Wissenschaftler eine Stabilisierung der vulkanologischen Aktivität. Der im Süden gemessene Tremor [niedrig frequente Beben, die einen Vulkanausbruch ankündigen] zeigte gleichbleibende Werte, die Geländeverformung nahm nicht zu und die im Norden gemessenen Erdstöße nahmen sogar in Häufigkeit und Stärke ab (das stärkste erreichte am 25. November 3,1 auf der Richterskala).

Infolgedessen wurden die Sicherheitsmaßnahmen aufgehoben. Der Tunnel Los Roquillos wurde vollkommen freigegeben, allerdings soll in einem Bericht auf Probleme hingewiesen und deren Behebung angeraten worden sein. Die letzten elf aus Las Puntas (La Frontera) evakuierten Familien konnten in ihre Häuser zurückkehren. Auch die Eidechsenzuchtstation und das Ökomuseum von Guinea wurden wieder geöffnet.

Am 27. November beobachteten Einwohner La Restingas dann jedoch wieder zwei Gas-, Wasser- und Aschesäulen, die vulkanisches Material an die Meeresoberfläche beförderten.

Zwei Tage später schloss sich das Forschungsschiff „Sarmiento de Gamboa“ dem wissenschaftlichen Trupp auf El Hierro an, mit der Mission, den Meeresboden geophysisch zu untersuchen.

Die Behörden wiesen darauf hin, dass sich die Lage zwar stabilisiert habe, der Ausbruch jedoch andauere. Im Gespräch mit einer Tageszeitung erklärte Juan Manuel Santana Pérez, Sicherheitsbeauftragter der kanarischen Regierung, weiterhin bestehe Ungewissheit über den Verlauf der vulkanologischen Aktivität. Doch nichts würde gegen eine Reise nach El Hierro sprechen. Ganz im Gegenteil – man würde sogar zum Urlaub auf El Hierro ermuntern.

Schleppende Hilfe

Während sich das vulka­nologische Geschehen beruhigte, kämpfen viele Herreños derzeit um das wirtschaftliche Überleben. Zwar wurden schon einige Hilfsleistungen beschlossen, doch kommen diese nur spärlich an.

Ende November beschloss das Cabildo, bei der regionalen und der Zentralregierung konkrete Maßnahmen einzufordern, die vor allem den Unternehmern der Gemeinden El Pinar und La Frontera zugute kommen sollen. Die Inselregierung verlangt u.a. die Aussetzung der Sozialabgaben und der Einkommenssteuer sowie der Mehrwertsteuervorauszahlung. Des Weiteren macht sich das Cabildo für eine deutliche Verbilligung der interinsulären Flug- und Fährverbindungen mit El Hierro und die Subventionierung des Exports stark.

Gegenüber einer Tageszeitung vermittelten verschiedene Unternehmer ein Bild der Lage:

Herminio Sánchez Pérez, Präsident von El Hierros Vereinigung kleiner und mittlerer Unternehmen (Apyme), prangerte die fehlende Koordination der zuständigen Behörden an, die zum Stillstand der touristischen und kommerziellen Aktivität beigetragen hätten. Die Hilfen hätten viel früher auf den Weg gebracht werden müssen, denn die Verluste der Unternehmen seien immens und viele ständen kurz vor der Schließung. Sánchez Pérez sprach sich für die Schaffung eines auf Vulkantourismus ausgerichteten und verbilligten Urlaubspakets sowie die Einrichtung einer Art Vulkanmuseums aus.

Enrique Acosta, Leiter der Supermarktkette Terencio Supermercados, gab an, die Geschäfte von La Restinga und La Frontera hätten Verkaufsausfälle von 60% bzw. 45% erlitten. Laut Acosta hätten die Hauptwirtschaftssektoren El Hierros – Fischerei, Handel und Tourismus – viele Mitarbeiter entlassen.

Cabildo-Präsident Alpidio Armas drängte auf schnelle Hilfe, denn täglich stiege die Arbeitslosigkeit um einen Prozentpunkt; die Arbeitslosenquote läge derzeit bei 35% und sei die höchste Europas.

  Am 28. November beschloss die kanarische Regierung, auch den Unternehmern von Las Puntas (La Frontera) und Pozo de la Salud (La Frontera) finanzielle Hilfen zukommen zu lassen. Kurz darauf wurden alle Unternehmer und Selbstständigen von La Frontera in das Rettungspaket aufgenommen. Auch die Mietbeihilfen für die Evakuierten wurden beschlossen. Im kanarischen Parlament befasste man sich mit der Verteilung von 270.000 Euro zur Neuausrichtung der Unternehmen und Umschulung der Angestellten.

Derweil nahmen die Herreños die Sache selbst in die Hand. Es wurde eine Komission ins Leben gerufen, die die Hilfen koordinieren, den Rettungsanker Tourismus fördern und sich für die Herreños stark machen soll. Verschiedene Hotellerie- und Gastronomieunternehmen schlossen sich zusammen und entwickelten ein Urlaubspaket, welches dem Vulkan als Touristenattraktion  endlich eine gute Seite abgewinnen soll.

Bei seinem Besuch am 4. Dezember forderte der kanarische Präsident Paulino Rivero mehr Engagement und Interesse der Zentralregierung.

Privates Engagement zeigte ein Deutscher, der den Menschen in seiner Wahlheimat in dieser Notlage helfen möchte und dazu eine Spendenaktion gestartet hat.




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