Pionierprojekt mit erneuerbaren Energien auf El Hierro weckt internationales Interesse


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Mit einem einzigartigen kombinierten Wind- und Wasserkraftwerk soll bald der gesamte Strombedarf der 278 Quadratkilometer-Insel gedeckt werden

Die internationale Presse ist auf die kleine Kanareninsel El Hierro aufmerksam geworden. Grund ist das ehrgeizige Vorhaben der Inselregierung, El Hierro in nicht allzu ferner Zukunft zu 100% durch erneuerbare Energie zu versorgen. Innerhalb dieses Ziels spielt der Bau eines Hochdruckwasserkraftwerks eine entscheidende Rolle, und genau darauf konzentriert sich das Interesse der ausländischen Medien.

Erst kürzlich war ein Korrespondent der japanischen Nachrichtenagentur Kyoto News aus London nach El Hierro gereist, um eine Reportage über das Wasserkraftwerk zu verfassen, die in verschiedenen japanischen Medien veröffentlicht werden soll. Der japanische Korrespondent Ichiro Takayama traf sich mit Vertretern der Gesellschaft Gorona del Viento SA, die ihm das Projekt in allen Einzelheiten erklärten. „In Europa wird viel über diese Initiative gesprochen, die ein Beispiel für Japan sein wird, wo sehr viel über die Energieversorgung in der Zukunft und die Entwicklung sauberer Energiegewinnungsmethoden nachgedacht wird“, sagte er. Die Reportage über El Hierro werde im Rahmen eines Kongresses mit dem Thema erneuerbare Energien veröffentlicht.

Auch andere ausländische Medien interessierten sich bereits für das Stromprojekt auf El Hierro. Al Gores Sender „Current TV“ drehte eine Fernsehreportage darüber und Journalisten aus Norwegen und der Schweiz reisten auf die Insel, um über das Wasserkraftwerk zu berichten.

Eine Versorgung von El Hierro zu 100% mit sauberer Energie ist angesichts der klimatischen Voraussetzungen, Größe (278 qkm) und Bevölkerungszahl (knapp 10.500 Einwohner) durchaus umsetzbar. Die kaum vorhandene Industrie auf der Insel und der dadurch eher geringe Stromverbrauch begünstigen das Pionierprojekt. Letztendlich führt die Technik eines kombinierten Wind- und Wasserkraftwerks (Hochdruckwasserkraftwerk mit Maßanfertigung an die lokalen Gegebenheiten) zum Ziel. Aus einem Staubecken mit einem Fassungsvermögen von 500.000 Kubikmetern (ein natürlicher Vulkankrater) wird das Wasser über eine Fallhöhe von 682 Metern in ein 225.000 Kubikmeter fassendes Unterbecken geleitet. Die für den Wasserkreislauf notwendige Pumpstation wird durch Strom aus einem Windkraftwerk (10 MW) angetrieben. Im Falle eines Ausfalls des Wasserkraftwerks wird allerdings ein Dieselmotoren-Werk bereitstehen. Unter günstigen Bedingungen im Windkraftwerk erzeugter überschüssiger Strom wird für den Betrieb der beiden Meerwasserentsalzungsanlagen der Insel in das Netz eingespeist werden. Das Wind- und Wasserkraftwerk soll eine Nennleistung von 9,9 MW haben.

Das Projekt wird mit zwei Millionen Euro von der Europäischen Union mitfinanziert.




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