Neue vulkanologische Krise auf El Hierro?


© IGN

Seit dem 24. Juni werden wieder stärkere Erdstöße und eine erhebliche Deformation des Geländes verzeichnet

El Hierro Kurz bevor sich der Beginn der vulkanologischen Krise auf El Hierro jährte (am 19. Juli 2011 wurden die ersten Erdstöße im Gebiet von La Frontera gemessen), bahnt sich seit dem 24. Juni erneut ein vulkanologisches Phänomen auf El Hierro an. In nur acht Tagen wurden mehr als 1.300 – teils spürbare – Erdstöße gemessen und innerhalb kürzester Zeit wurde eine bedeutende Deformation des Gländes registriert.

Als die Experten einen Magmafluss in einer Tiefe von 20 km vermuteten, rief der vulkanologische Krisenstab am 27. Juni erneut die Alarmstufe Gelb aus, dieses Mal jedoch für das unbewohnte Gebiet von El Julán, La Dehesa und El Verodal, im Westen El Hierros.

Ihren Beginn nahm die neue seismische Periode auf El Hierro am Nachmittag des 24. Juni; 24 Stunden später hatte das Nationale Geographische Institut (IGN) bereits rund 130 Erdstöße gemessen. Die meisten hatten ihr Epizentrum oberhalb von La Frontera, in Tiefen zwischen 17 und 22 km. Sechs Beben erreichten Stärken von über 3 auf der Richterskala. Einen Tag später waren weitere 165 Erdstöße hinzugekommen, deren Epizentren sich jedoch auf dem westlichen Bergrücken in Richtung von El Julán verlagerten.

Vulkanampel auf Gelb

Nachdem innerhalb von nur drei Tagen rund 300 Erdstöße – darunter zwölf spürbare – und eine Geländeverformung von 3 cm (während der letzten vulkanologischen Krise erreichte diese erst nach Monaten einen Wert von 5 cm) registriert und ein Magmafluss in einer Tiefe von 20 km vermutet wurde, erhöhte der für vulkanologische Phänomene zuständige Krisenstab (Pevolca) am 27. Juni die Warnstufe im westlich gelegenen Gebiet von El Julán, La Dehesa und El Verodal auf Gelb. María José Blanco vom IGN gab an, angesichts der zügig voranschreitenden Geländewölbung könne man von einem sich schnell entwickelnden Ereignis ausgehen. Alles Weitere sei jedoch pure Spekulation. Juan Manuel Santana, Sicherheitsbeauftragter der kanarischen Regierung, und El Hierros Cabildo-Präsident Alpidio Armas beruhigten die Bevölkerung, schließlich handele es sich bei den betroffenen Gebieten um unbewohntes Gelände. Während Santana an die Sicherheitsvorkehrungen bei Erdstößen erinnerte (nachzulesen unter www.gobiernodecanarias.org/dgse/sismo_hierro), zeigte sich Armas besorgt über die Auswirkungen der erneuten vulkanologischen Aktivität, denn der Tourismus habe sich bei Weitem noch nicht von der erst im Frühjahr für beendet erklärten letzten vulkanologischen Krise erholt.

Die Verantwortlichen wiesen jedoch auch darauf hin, dass die Epizentren sich in sehr großer Tiefe befänden und zumindest derzeit nicht aufsteigen würden. Darüber hinaus seien weder ein Anstieg des Kohlendioxidausstosses noch ein Tremor (niedrig frequente Beben, die einen Vulkanausbruch ankündigen) verzeichnet worden. Auch der unterseeische Vulkan zeige keinerlei Aktivität. Es gäbe also keine Anzeichen für einen unmittelbaren Ausbruch, weder des jungen Vulkans noch eines neuen.

Magmafluss

Im Laufe der folgenden Tage wanderten die Epizentren in das Mar de las Calmas ab. Das Nationale Geographische Institut registrierte bis zum 2. Juli, d.h. innerhalb von acht Tagen, 1.336 Erdstöße. In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli machte sich das mit 4,4 auf der Richterskala bisher stärkste Beben auf der ganzen Insel bemerkbar. Eine Reihe kleinerer Nachbeben folgte dem Phänomen.

Die bis zum 1. Juli auf 7,5 cm angewachsene Deformation des Geländes bestätigte den Verdacht der Wissenschaftler, dass es in 20 km Tiefe einen aktiven Magmafluss geben könnte.

Da es neben der seismischen Aktivität und der Geländeverformung keine weiteren vulkanologischen Hinweise gibt, kann das neue Phänomen morgen wieder vorüber sein, sich aber auch weiterentwickeln.




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