Logiergäste im Kunstnest


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Erstmals brütet ein Fischadler-Pärchen in einem von Menschenhand angefertigten Horst

Die Biologen des Umweltamtes auf El Hierro sind euphorisch. Erstmals hat ein Fischadlerpärchen eines der künstlich angelegten Nester an der Steilküste des Mar de Las Calmas bezogen und dort seine Eier gelegt. Dies sei eine großartige Nachricht für die Wissenschaft und stelle einen wichtigen Fortschritt für das Arterhaltungsprogramm dar, teilte der Leiter des Umweltamtes, Javier Armas, mit.

Der Fischadler, auf den Kanaren „Guincho“ genannt ist der bedrohteste Raubvogel in Spanien. Höchstens 38 Paare sind den Biologen bekannt, und die meisten dieser seltenen Greifvögel sind auf den Inselgruppen der Kanaren, Balearen und den Chafarinas zu finden. Auf den Kanaren bevorzugt der „Guincho“ das unter Naturschutz stehende Chinijo-Archipel und die zerklüftete Steilküste El Hierros. Doch auch hier ist der Fischadler in den letzten Jahren ein immer seltenerer Gast geworden.

Im Rahmen des Schutzprogramms „Rettet den Fischadler auf El Hierro“ wurden im Jahr 2005 mehrere künstliche Nester in die Felsen gebaut, um den Fischadlerpärchen die Brut zu erleichtern. Nach zweijähriger Wartezeit haben die Biologen nun mit großer Freude festgestellt, dass in unmittelbarer Nähe eines seit Jahren von den Greifvögeln benutzten Horstes eines der künstlichen Nester belegt ist. Zwei Jungvögel werden darin von ihren Eltern aufgezogen und werden vermutlich innerhalb der nächsten 19 Wochen flügge sein.

Spanienweit war es bislang erst einmal gelungen, dass Fischadler künstliche Nester bezogen. Auf Menorca hatte man drei Jahre nachdem die Nester angelegt worden waren Erfolg. Da freuen sich die Biologen auf El Hierro, denn sie haben es schon nach zwei Jahren geschafft, dass ein Pärchen sich in einem künstlichen Horst einquartiert hat. Besonders bemerkenswert ist der Erfolg der Kunstnester weil die Fischadler üblicherweise ein und denselben Horst mehrere Jahre oder gar ein Leben lang benutzen.

Im Rahmen des Arterhaltungsprogramms des Fischadlers, eine Zusammenarbeit der kanarischen Regierung, des Cabildos von El Hierro und des spanischen Umweltministeriums, wurden in den letzten Jahren mehrere künstliche Horste in die Felsen gebaut. Außerdem wurden in den Wasserbecken im Tal von El Golfo Fische angesiedelt, damit die Adler auch bei schlechten Wetter- bzw. Seebedingungen genügend Nahrung finden. Während der Brutzeit verbieten Schilder den Zugang zu den Gebieten, in denen sich die Nester befinden, und Fischer werden gebeten, die von den Fischadlern bevorzugten Jagdgebiete während der Monate Februar bis Juli ebenfalls zu meiden.

»El Guincho«

Der Fischadler (Pandion haliaetus) besitzt lange schuppige Beine, welche an die Wasserjagd angepasst sind. Ein kurzes Eintauchen ist möglich, daher sind die Nasenlöcher verschließbar. Auf den Kanaren brütet der Fischadler zwischen Februar und Juli. Er baut seinen Horst meist in den Klippen und auf den höchsten Felsen. Das Weibchen legt zwei bis drei Eier, die 35 bis 41 Tage lang ausgebrütet werden. Die Jungvögel werden von den Eltern so lange gefüttert, bis sie die Beute selbst erlegen können. Nach sechs bis sieben Wochen starten die Jungtiere ihre ersten Flugversuche.




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