Einen Tag lang 100% „sauberer“ Inselstrom


© Cabildo El Hierro

El Hierros Windwasserkraftwerk hat am 31. Januar zum zweiten Mal sein Ziel erreicht

Nachdem El Hierros revolutionäres Windwasserkraftwerk Ende Juni 2015 den Betrieb aufgenommen hatte, erreichte es nach dem 9. August 2015 nun am 31. Januar zum zweiten Mal das angestrebte Ziel: Über 16 Stunden wurde der Energieverbrauch der Insel komplett mit Erneuerbaren Energien abgedeckt. Damit hat die kleinste, am äußersten Ende der Europäischen Union gelegene Kanareninsel erneut ihre Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bewiesen.

Einen Tag „unabhängig“ vom Erdöl

Am 9. August 2015 war die Vision von Tomás Padrón und Ricardo Melchior drei Jahrzehnte später zum ersten Mal Wirklichkeit – über zwei Stunden versorgte allein das Windwasserkraftwerk, welches dank der Kombination von Wind- und Wasserkraftwerk kontinuierlich und verlässlich Strom liefern kann, die Insel ausschließlich mit Erneuerbaren Energien. Die Dieselgeneratoren konnten erstmals abgeschaltet werden, zwei Stunden lang war die kleinste Kanareninsel unabhängig von fossilen Brennstoffen, der Erdöl-Förderung, deren Handel und Anlieferung – ein Wunschtraum vieler Gebiete weltweit. 

Nun gelang es den Betreibern des Windwasserkraftwerkes am 31. Januar erneut, ab 5.30 Uhr die Insel fast den ganzen Tag, über mehr als 16 Stunden, allein über das „saubere“ Kraftwerk zu versorgen. Die Dieselgeneratoren konnten erneut abgeschaltet werden, womit 20 Tonnen Diesel eingespart und der entsprechende Kohlendioxid-Ausstoß verhindert wurden.  

„Obwohl sich das Werk weiterhin in einer ersten Phase der stufenweisen Ankoppelung befindet, haben wir in den vergangenen sieben Monaten bereits zweimal beweisen können, dass ein Stromnetz allein mit sauberen Energien betrieben werden kann,“ freute sich Belén Allende, Präsidentin der Inselregierung und gleichzeitig der Betreibergesellschaft Gorona del Viento. 

Windenergie auf Reserve

Das Windwasserkraftwerk besteht aus einem Windpark, einer Pumpstation, zwei Wasserbecken, einem Turbinenwerk, einer Verteilerstelle und einem Dieselgenerator. 

Der Windpark umfasst fünf in Deutschland hergestellte Windkraftanlagen Enercon E-70, die den Strom für die Versorgung der gesamten Insel produzieren sollen. 

Bei geringem Verbrauch, beispielsweise nachts, werden mit dem überschüssigen Strom die Pumpen angetrieben, die Wasser aus dem unteren Auffangbecken mit einer Kapazität von 150.000 m³ in das über 680 m höher gelegene Becken mit einer Kapazität von 500.000 m³ befördern. Auf diese Weise wird der überschüssige Strom sozusagen „gespeichert“. 

Denn wenn kein Wind weht, wird das Wasser aus dem oberen Becken freigelassen und schießt den Berg hinunter in das untere Becken. Dabei werden Turbinen angetrieben, welche die Energie in Strom umwandeln, der wiederum über die Verteilerstelle ins Netz geleitet wird. 




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