„Das Fass zum Überlaufen gebracht“


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Aufstand der Herreños wegen nicht ausreichender Fährverbindungen

Als am 25. Mai Inselpräsident Alpidio Armas die Botschaft von El Hierros Transportunternehmern überbrachte, bei gleichbleibend unzureichender Fährverbindungen würden sie durch Protestaktionen den Betrieb des Hafens von Los Cristianos, Teneriffa, zum Erliegen bringen, zeichneten sich noch nicht die dramatischen Ereignisse der kommenden Tage ab.

Doch am 29. Mai schlug die angespannte Situation um, und als die Naviera-Armas-Fähre Volcán de Taburiente einigen mit verderblichen Lebensmitteln für El Hierro beladenen Lkw wegen Platzmangels die bereits bezahlte Fahrt verweigerte, „lief das Fass über,“ so später der Cabildo-Präsident. Beim Eintreffen der Fähre im Hafen von La Estaca gingen Alpidio Armas, die Bürgermeister von Valverde und Frontera sowie zahlreiche Mitglieder der Inselregierung mit dem Vorhaben an Bord, Naviera Armas zu einer weiteren Fahrt mit den zurückgebliebenen Lkw noch am selben Tag zu überreden. Bei der Ankunft im Hafen von Los Cristianos besetzten die als blinde Passagiere einfach mitgereisten Politiker die Rampe der Fähre und verhinderten das Entladen der Lkw. Nach drei Stunden zäher Verhandlungen und kurz bevor den Guardia Civiles die Geduld ausging, gaben sie ihren Widerstand auf und verließen das Schiff. Naviera Armas gab daraufhin empört bekannt, den Fährbetrieb nach El Hierro ganz aufzugeben. Als am nächsten Tag die Lkw und die Protestler mit einer eigens von Fred.Olsen zur Verfügung gestellten Fähre im Hafen von La Estaca, El Hierro, ankamen, wurden sie von rund 600 Menschen mit großem Applaus in Empfang genommen.

Während die kanarische Regierung nun eiligst nach einer Lösung für den unzureichenden Fährverkehr suchte, kündigte El Hierros nationalistische Partei AHI das Bündnis mit der kanarisch-nationalistischen Coalición Canaria (CC) auf und forderte, so wie die Transportunternehmer, den Rücktritt von Domingo Berriel, Leiter des Transportressorts.

Am 1. Juni ruderte Naviera Armas zurück und nahm die Fahrten wieder auf. Das Fährunternehmen will die Anzeigen wegen Piraterie gegen die Politiker El Hierros jedoch weiter verfolgen.

Doch das eigentliche schwerwiegende Problem bleibt bestehen. Nur vier wöchentliche Fährverbindungen mit El Hierro reichen für die Versorgung von Bevölkerung und Touristen nicht aus. Enrique Acosta, Geschäftsführer der Supermarktkette Terencio, führte an, die Fred.Olsen-Passagen seien zu teuer, sodass es eigentlich nur zwei Transportfahrten gäbe, der Fahrplan sei ungünstig, denn mit der Samstag-Fähre könnten verderbliche Lebensmittel wegen der dann geschlossenen Geschäfte nicht transportiert und verteilt werden und es gebe zu wenig Stellplätze, denn aufgrund des Stopps auf La Gomera müssten sich die Lkw zweier Inseln den Platz teilen.




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