El Hierro erlebte das bisher stärkste Erdbeben des Jahrhunderts


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Am 27. Dezember erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,1 die Insel El Hierro

Ende Dezember zitterte auf El Hierro wieder mehrmals die Erde. Das mit einer Stärke von 5,1 auf der Richterskala stärkste Beben wurde nicht nur von den Bewohnern der kleinsten Kanareninsel sondern auch von der Bevölkerung La Palmas, La Gomeras und Teilen Teneriffas gespürt, doch es wurde niemand verletzt und auch kein nennenswerter Schaden gemeldet.

El Hierros neueste seismische Serie setzte bereits am 22. Dezember des gerade zu Ende gegangenen Jahres ein. In den darauffolgenden Tagen erfassten die Messgeräte teilweise über hundert Erdstöße. Am 23. Dezember beispielsweise zitterte die Erde 104 Mal, dreimal bemerkten die Herreños das Zittern. Die Regionalregierung gab nach Rücksprache mit den Experten bekannt, Grund für die erneut erstarkte seismische Aktivität sei das Aufsteigen von Magma in höhere Gesteinsschichten (Intrusion), die für Erdbewegungen und Deformationen des Inselgebäudes gesorgt habe.

Am 27. Dezember kam es schließlich zum Höhepunkt, als um 17.46 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Stärke 5,1 die Insel erschütterte, das stärkste dieses Jahrhunderts auf den Kanaren und das stärkste Beben der über 21.000 seit Beginn der vulkanologischen Krise im Juli 2011. Das Epizentrum befand sich westlich der Insel im Meer in einer Tiefe von 11 km. Infolge der starken Erdbewegung lösten sich an diversen Hängen riesige Felsbrocken und stürzten in die Tiefe, in den Häusern schienen die Gegenstände ein Eigenleben zu entwickeln. Doch trotz der Stärke des Bebens wurde niemand verletzt, es blieb bei kleineren Sachschäden. Außerdem mussten die Straßen zwischen Frontera und Sabinosa sowie zwischen Pozo de la Salud und Lomo Negro wegen Steinschlags gesperrt werden, wodurch 30 Touristen an zwei Stränden von der Umwelt abgeschnitten wurden und von den Sicherheitskräften evakuiert werden mussten. Das sekundenlange Beben wurde auch auf ganz La Palma sowie in Icod de los Vinos, La Orotava, Las Caletillas und Santa Cruz auf Teneriffa verspürt. Später gab das Nationale Geologische Institut (IGN) bekannt, das Beben stehe nicht in Verbindung mit der Intrusion des Magmas, sondern könne einen weitläufigeren Ursprung haben.

Am 28. Dezember wurden nur noch einige geringere Erdstöße gemessen, am Folgetag erlosch die seismische Aktivität praktisch wieder. In dieser nur einige Tage andauernden seismischen Serie wuchs die Insel aufgrund der intrusionsbedingten Deformationen an einigen Punkten um bis zu 8 cm. Seit Beginn der vulkanologischen Krise ist El Hierro mittlerweile um über 20 cm in die Höhe gewachsen.

María José Blanco, Regionaldirektorin vom IGN, erklärte, ein Ende der vulkanologischen Aktivität auf El Hierro nicht absehen zu können. Die Menschen müssten lernen, mit diesem Phänomen zu leben, das sei auf einer vulkanischen Insel nun einmal normal, so die Expertin, welche aufgrund der bedeutenden Tiefe der Magma-Bewegungen für die Bewohner von El Hierro keine Gefahr erkennen kann.

José Luis Barrera, Vizepräsident der Geologenkammer (ICOG), ist da anderer Meinung. Er vertritt die Ansicht, das Magma werde sich früher oder später einen Weg an die Oberfläche bahnen. Doch auch Barrera stimmte mit Blanco überein, dass auf einer „jungen“ Vulkaninsel wie El Hierro derartige Krisen zur Normalität gehörten und sich die Bewohner damit abfinden müssten.

Vulkanologische Aktivität ist vollkommen normal

Die Regionaldirektorin des Nationalen Geologischen Instituts María José Blanco erklärte außerdem: „Auf den Kanarischen Inseln müssen wir uns an solche Phänomene wie das auf El Hierro gewöhnen. Auf Inseln vulkanischen Ursprungs wäre es anormal, wenn sich nichts bewegt.“

María José Blanco wies auch darauf hin, dass es sich bei dem Erdbeben vom 27. Dezember zwar um ein starkes gehandelt habe, doch auch 1989 sei es in der Verwerfung zwischen Teneriffa und Gran Canaria zu einem geologischen Phänomen gekommen, was ein Erdbeben der Stärke 5,2 auf der Richterskala nach sich gezogen habe. Darüber hinaus habe es in 2002 eine ähnliche seismische Serie in Icod de los Vinos gegeben, erinnerte die Expertin.





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