Mumie in der Röhre


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CT soll Aufschluss über die Lebensgewohnheiten, Krankheiten und die Todesursache des Altkanariers geben

Wie ein wertvolles Schmuckstück wurde Anfang Juni die Guanchenmumie im Nationalen Museum für Archäologie in Madrid von behandschuhten Museumsmitarbeitern behutsam aus ihrem gläsernen Schaukasten gehoben.

Das Ausstellungsstück, das erst seit Dezember 2015 Teil der Sammlung dieses Museums ist und als besterhaltene Mumie eines kanarischen Ureinwohners gilt, wurde von einem Team von 11 Experten in einen speziellen Transportkasten gebettet, um es dann zusammen mit drei ägyptischen Mumien aus den Jahren 845 bis 664 v. Chr. in das Krankenhaus Quironsalud zu bringen. Dort wurden die mumifizierten Körper durch einen modernen Ganzkörper-Computertomografen geschoben, um anhand der hochauflösenden Bilder neue Erkenntnisse z. B. über die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, mögliche Krankheiten bis hin zur Todesursache zu gewinnen. Die Auswertung der Bilder soll auch die Einbalsamierungstechnik entschlüsseln und mögliche Amulette zum Vorschein bringen, die den Toten bei der Bestattung mitgegeben wurden.

Bei der knapp vierstündigen Aktion, in der die Mumien ihre Schutzbereiche im Museum verließen, wurde nach einem strengen Protokoll vorgegangen, um jegliche Fehler, die den Konservierungszustand gefährden könnten, auszuschließen.

Nun wird ein Expertenteam die Bilder des CT Scanners analysieren, die Information auswerten und dadurch vermutlich Geheimnisse lüften, die diese Mumien in sich bergen. Der gesamte Prozess wird in Zusammenarbeit mit RTVE und Story Producciones als Dokumentarfilm festgehalten, der 2017 ausgestrahlt werden soll.

Die lange Reise der Guanchenmumie 

Die gut erhaltene Mumie des 1,71 großen kanarischen Ureinwohners wurde nach ihrer Entdeckung 1776 auf Anordnung von König Karl III. von Spanien von Teneriffa in das Naturhistorische Museum in Madrid gebracht. Damals galten Mumien als exotische Objekte und wissenschaftsbegeisterte, gut betuchte Spanier reisten auf die Inseln, um ein Exemplar als Ausstellungsstück zu ergattern. Ende des 18. Jahrhunderts herrschte eine regelrechte Faszination für die mumifizierten Körper kanarischer Ureinwohner. Der Historiker Rumeo de Armas spricht von systematischen Plünderungen von Grabstätten durch Abenteurer und Wissenschaftler.

Vor über zehn Jahren bemühte sich das Cabildo von Teneriffa erfolgreich um die Rückgabe von zwei Mumien, die im 19. Jahrhundert auf Umwegen nach Argentinien gelangt waren. 2003 kehrten die Guanchenmumien durch eine beispielhafte Geste der argentinischen Regierung auf die Insel zurück und sind heute im Natur- und Völkerkundemuseum in Santa Cruz ausgestellt.

Um die Rückkehr der 1776 in einer Grabstätte beim Barranco de Erques im Südwesten entdeckte Mumie bemüht sich das Cabildo von Teneriffa bislang vergeblich. Mit der Verlegung der Mumie im Dezember 2015 vom Anthropologischen Museum in Madrid ins Archäologische Museum der Hauptstadt, wo nun ein Sonderteil der Ausstellung den Kanarischen Inseln gewidmet ist, schwindet die Hoffnung auf eine Wiederkehr des Guanchen in seine Heimat.

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