Unüberlegte Äußerungen einer deutschen Politikerin trieben ein spanisches Unternehmen fast in den Ruin


Ein unbedachtes Wort machte eine ganze Ernte wertlos. Foto: Pixabay

Die Entschädigung für die falsche E. coli-Anschuldigung kommt erst jetzt, sechs Jahre nach der „Gurkenkrise“

Málaga – Als 2011 in Deutschland die EHEC-Epidemie, eine Verseuchung von Lebensmitteln mit dem Bakterium Escherichia coli, ausbrach und 56 Menschenleben forderte, wurde die Firma Frunet aus Málaga fälschlich beschuldigt, der Verursacher zu sein. Die Stadt Hamburg hatte die Gurken des Gemüseproduzenten als vermeintlichen Schuldigen ausgemacht und öffentlich an den Pranger gestellt. Nun wurde dem Unternehmen eine Entschädigung zugesprochen.

Antonio Lavao, Geschäftsführer von Frunet erinnert sich: „Wir erlitten schreckliche Verluste, die Geschäftstätigkeit kam zum Erliegen und niemand kauf­te uns mehr etwas ab. Das hielt mehrere Monate an. Wir erlebten einen furchtbaren Frühling und Sommer. Verheerend. Wir waren kurz davor, zu schließen.“

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hatte im Mai 2011 erklärt, dass das Hamburger Hygiene-Institut spanische Salatgurken als Quelle des EHEC-Erregers identifiziert habe. An drei Proben vom Hamburger Großmarkt habe man den Erreger festgestellt, darunter auch an einer Bio-Salatgurke. Fünf Tage später zog Prüfer-Storcks die Behauptung zurück, doch das Unheil nahm für die spanischen Gemüseproduzenten ungeachtet dessen seinen Lauf. Frunet zog vor Gericht, um seinen Namen gänzlich reinzuwaschen und erreichte im Oktober 2015 ein Urteil zu seinen Gunsten, gegen das die Stadt Hamburg Berufung einlegte. Nun, fast zwei Jahre später, wurde eine Einigung mit der Gegenseite erreicht, die dem Unternehmen eine Entschädigung zuspricht und dem Rechtsstreit ein Ende setzt.

„Als man uns aus Hamburg direkt beschuldigte, wurden alle unsere Waren in allen europäischen Ländern, auf allen Transportwegen und in unseren Lagern blockiert. Wir mussten sie vernichten.“ Es kam zu gewaltigen Umsatzeinbrüchen, die das wirtschaftliche Überleben der Firma infrage stellten. Doch zum Winter hin ging es nach und nach wieder bergauf, und heute steht der Gemüseproduzent mit 40 Millionen Euro Umsatz und 150 Beschäftigten besser da als zuvor. Für die Geschäftsleitung bedeutet die Einigung vor allem eine Erleichterung. Man ist froh, endlich mit diesem Kapitel  abschließen zu können.

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