Spanier trotzen dem Brexit


Die Skyline von London: Auswanderer sehen unverändert Chancen auf dem britischen Arbeitsmarkt. Foto: EFE

In Großbritannien lebende Spanier befürchten keine negativen Auswirkungen

London – Während der jahrelangen Wirtschaftskrise sind Tausende Spanier in der Hoffnung auf einen Arbeitsplatz und ein besseres Leben nach Großbritannien umgesiedelt. Aufgrund der wirtschaftlichen Verbesserung in der Heimat zieht es nun viele zurück, auch wenn die meisten nicht daran glauben, zu Hause eine gleichwertige Stelle zu bekommen.

Das britische Statistikinstitut hat aufgrund des Austritts Großbritanniens aus der EU Untersuchungen über die Auswirkungen des Brexit auf die in Großbritannien lebenden Ausländer und auf die im Ausland lebenden Briten durchgeführt. Zum ersten Mal wurde auch die spanische Kolonie in Großbritannien sondiert.

116.000 Spanier leben in Großbritannien

Laut dem entsprechenden Bericht leben derzeit 116.000 Spanier in Großbritannien, davon sind 68.200 beschäftigt, 5.500 arbeitslos und 42.300 unter 16 Jahre alt, studieren oder sind pensioniert.

Der Großteil der in Großbritannien tätigen Spanier ist im Bildungswesen, im Gesundheitswesen oder in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt (19.400). 17.000 Spanier arbeiten im Finanzsektor, 16.700 in der Hotellerie, 5.500 im Transport- und Kommunikationswesen. Besonders spanische Lehrkräfte sind gefragt, wie spanische Einwanderer gegenüber der Zeitung El País erklärten. Demnach würden gerade in London ständig spanische Lehrkräfte gesucht.

Zu ihren Beweggründen zur Auswanderung befragt, gaben die Spanier an, in der Heimat im privaten Sektor keine Stelle gefunden zu haben, und dass der Weg in die öffentliche Verwaltung steinig und schwer sei, sodass ihnen keine Alternative geblieben wäre.

Auswandern liegt auch weiterhin im Trend

Unter den Spaniern hält der Trend zur Auswanderung nach Großbritannien weiter an. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der spanischen Residenten erneut um 13.281 bzw. 13%, wie das Spanische Statistikinstitut (INE) mitteilte. Die Behörden gehen davon aus, dass es tatsächlich noch viele mehr sind, die sich nicht angemeldet haben und somit nicht erfasst worden sind.

Nun warten die Statistikinstitute auf die Auswirkungen des Brexit auf diesen Trend. Die in Großbritannien lebenden Spanier sehen dem Austritt aus der EU gelassen entgegen. Sie fürchten weder um ihre Jobs noch um die Aussichten auf einen Arbeitsplatz und vertreten die Meinung, dass die hohe Nachfrage an Spanischlehrern und Gesundheitspersonal anhalten werde.

Trotz Heimweh, der verbesserten Wirtschaftslage im Heimatland und dem bevorstehenden Brexit lautet der allgemeine Tenor, erst einmal in Großbritannien zu bleiben.

„Sorge, Anspannung und Ungewissheit“

Ganz im Gegensatz zu den Spaniern in Großbritannien sind die in Spanien lebenden Briten sehr wohl über die Auswirkungen des Brexit besorgt. Zwischen 2011 und 2016 ist die Zahl der britischen Residenten in Spanien um 12.205 auf 296.600 zurückgegangen. Michael Harris, Vizepräsident von Eurocitizens, einer Interessengemeinschaft britischer, den EU-Austritt ablehnender Residenten in Spanien, erklärte, der Brexit treibe seine Landsleute zur Rückkehr in ihr Heimatland. Unter den Residenten herrsche „Sorge, Anspannung und Ungewissheit“.

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