Rita Barberá verstarb unerwartet in Madrid


Blumen und Kerzen am Eingang zum Rathaus von Valencia im Gedenken an die langjährige Bürgermeisterin. Foto: efe

In der Hauptstadt wurde sie wegen Verdachts der Korruption vernommen

Madrid – Die langjährige Bürgermeisterin von Valencia, Rita Barberá, ist in einem Hotel in Madrid an einem Herzinfarkt gestorben. Sie befand sich in der Hauptstadt, um wegen des Verdachts der Korruption auszusagen. Die Staatsanwaltschaft hatte den begründeten Verdacht, dass die PP-Politikerin in den sogenannten Fall Taula verwickelt war. Für die illegale Finanzierung der Partei in der Region mussten begünstigte Unternehmen eine Provision – meist in Höhe von drei Prozent – bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen entrichten.

Bei den Kommunalwahlen von 2015 musste Rita Barberá nach mehr als 24 Jahren Regierungszeit ihren Posten räumen. Doch ihre Parteifreunde ermöglichten ihr einen Sitz im Senat, was ihr gleichzeitig Immunität garantierte. Gleichzeitig wurde ihr ein Sitz in der Ständigen Kommission des Senats übertragen – nach Ansicht der Opposition eine weitere Sicherheit vor dem Zugriff der Justiz.

Doch der Druck aus der Öffentlichkeit ließ nicht nach. Immer wieder wurden Rücktrittsforderungen laut, auch aus den Reihen der eigenen Parteifreunde, die offenbar fürchteten, dass auch ein Schatten auf die Partido Popular fallen könnte. Schließlich befolgte Barberá die unverhohlenen Hinweise und trat aus der Partei aus. Sie weigerte sich jedoch, ihren Sitz im Senat niederzulegen und trat der gemischten Fraktion bei.  Wegen ihrer mutmaßlichen Verwicklung in einen Korruptionsfall hatte die Parteispitze praktisch alle Brücken zu ihr abgebrochen.

Nach ihrem plötzlichen einsamen Tod in einem Madrider Hotelzimmer formierte sich die Parteispitze plötzlich wieder hinter ihrer Person. Mariano Rajoy beeilte sich, die politische Laufbahn der Politikerin und des Parteimitglieds der ersten Stunde in den höchsten Tönen zu loben. „Rita Barberá hat sich ihr Leben lang für Valencia und für die Partido Popular eingesetzt“, erklärte er, als er die Todesnachricht erhielt.

Morgens gegen sieben Uhr hatte sie einen Herzinfarkt erlitten, an dem sie zwei Stunden später im Krankenhaus starb. Zwei Tage zuvor hatte sie als Angeklagte vor dem Obersten Gerichtshof ausgesagt und vor dem Untersuchungsrichter energisch bestritten, dass bei der PP Valencia eine „Schwarze Kasse“ existierte.

Obwohl die Familie der Verstorbenen eine Trauerfeier in der Intimität und ohne politische Prominenz und Vertreter der Institutionen gewünscht hatte, wollte Mariano Rajoy sein Bedauern über den dramatischen Tod von Rita Barberá zum Ausdruck bringen, die seine Freundin und mehr als dreißig Jahre Mitkämpferin in der Partei sei. Entgegen dem Wunsch der Familie erschien er in Begleitung der Generalsekretärin der Partei, Dolores de Cospedal und anderer „historischer“ PP-Mitglieder und er­klärte, es sei für ihn eine Ehre gewesen, die Verstorbene gekannt und mit ihr zusammengearbeitet zu haben. „Es war eine Ehre, Freund dieser freundlichen, großmütigen Kämpferin, Ex-Bürgermeisterin und Senatorin gewesen zu sein. Ich bin heute hier wie viele andere Mitglieder unserer Partei“.

Gespannte Atmosphäre

Personen, die an der Trauerfeier teilgenommen haben, berichteten von der angespannten Atmosphäre, die unter den Anwesenden herrschte. „Sie haben sie fallen gelassen, erklärte eine Freundin der Toten. „Die politischen Parteien haben keine Seele, die PP hat sich ihr gegenüber nicht gut benommen“, ist die Meinung eines Stadtverordneten, der 24 Jahre lang mit Rita Barberá im Stadtrat von Valencia saß.

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