Rätselhafte Strompreisspitze


Die Zusammensetzung des Strompreises ist nicht transparent. Foto: EFE

Wettbewerbskommission untersucht abrupten Anstieg der Stromkosten im Rahmen des Kleinkonsumententarifs PVPC

Madrid – Die Nationale Markt- und Wettbewerbskommission CNMC hat eine Untersuchung der Funktionsweise des Abrechnungssystems des Strommarktes eröffnet. Anlass ist ein abrupter Anstieg des Verbrau- cherpreises, der sich am Montag, dem 23. Oktober ereignete. Um 19.00 Uhr dieses Tages kostete die Megawattstunde 182,54 Euro für diejenigen Haushalte, die nach dem PVPC-Tarif (precio voluntario para el pequeño consumidor = freiwilliger Preis für Kleinkonsumenten) abgerechnet werden, was bei etwa der Hälfte aller Stromverträge der Fall ist. Diese Preisspitze liegt sogar höher als der höchste Preis, der während der extremen Kältewelle im vergangenen Januar erreicht wurde.

Dieser Preisausschlag ist hauptsächlich auf den Posten der „ajustes“, eine der vier Komponenten des Strompreises nach dem PVPC-Tarif, zurückzuführen. Diese vier Komponenten sind der Großhan- delspreis auf dem Energiemarkt, der sich täglich ändert und normalerweise den stärksten Einfluss auf den Endpreis hat; die Stromleitungsgebühren, die das Energieministerium festlegt und die feststehen; die Steuern und die „ajustes“ (Anpassungen), die nur selten für die sogenannte „zusätzliche Leistungsreserve“ (reserva de potencia adicional a subir) aktiviert werden.

Diese letzte Preiskomponente erfuhr am fraglichen Tag einen kräftigen Anstieg von über 50 Euro pro Megawattstunde. Vonseiten des Energieministeriums wurde erklärt, es handle sich um ein vorübergehendes Einzelereignis, doch bisher wurde der genaue Grund dafür nicht genannt. Beschwichtigend wird ins Feld geführt, dass der Preisanstieg nur wenige Stunden betraf und deshalb in der Monatsabrechnung der Haushalte nicht mehr als zwei Cent Anstieg ausmachen dürfte.

Die „ajustes“ für die „zusätzliche Leistungsreserve“ wurden vor vier Jahren eingeführt, um für die Gaskombi-Kraftwerke einen Anreiz zur Stromerzeugung für den Fall zu schaffen, dass die Produktion durch Erneuerbare Energie-Anlagen ausfällt. Am jenem Montag trat diese Maßnahme zweimal in Kraft, einmal von 8.00 bis 13.00 Uhr mit 70 Euro pro Megawattstunde und ein weiteres Mal von 18.00 bis 22.00 Uhr mit 250 Euro pro Megawattstunde.

Am Tag darauf kehrte der PVPC-Strompreis wieder auf sein gewohntes Niveau zurück und bewegte sich zwischen einem Minimum von 115,6 Euro um 5.00 Uhr morgens und einem Maximum von 137,10 Euro pro Megawattstunde um 22.00 Uhr. Lässt man die genannte Preisspitze außer Acht, bewegten sich die Megawattstundenpreise des Kleinkonsumententarifs im Oktober zwischen 91,05 und 148,79 Euro.

Die Verbraucherorganisation (OCU) hat die Wettbewerbskommission CNMC aufgefordert, zu untersuchen, was genau geschehen sei. Diese richtete angesichts der vorübergehenden Preisspitze ein Kommuniqué an das Energie­ministe- rium, in welchem sie einen runden Tisch mit allen Akteuren der Energiewirtschaft forderte, um die „Transparenz in diesem Sektor“ zu fördern.




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