Mangel an Grundschullehrern


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Nur 19% männliche Lehrkräfte an Grundschulen

Madrid – Seit jeher sind die Grundschullehrer in der Minderheit. Doch nun wies die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung darauf hin, dass der Anteil der Grundschullehrer immer weiter abnimmt und dieser Tendenz aus erzieherischen Gründen Einhalt geboten werden sollte.

Unter den Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) befindet sich Spanien in Sachen Männeranteil unter den Grundschullehrern im Mittelfeld, mit abnehmender Tendenz. Im Jahr 1987 belief sich der Anteil der Lehrer an Grundschulen noch auf 42%, 2004 waren es rund 25%, 2016 nur noch 19%. Das bereitet der Organisation Sorgen. In ihrem Bericht „Die Suche nach der Geschlechtergleichheit“ wird festgehalten, dass immer weniger Kinder im Kontakt mit Lehrern stehen. Dabei würden gerade in der Kindheit die stereotypischen Bilder geschaffen.

Im frühen Kindergartenalter hat es der spanische Nachwuchs sogar fast nur mit Erzieherinnen (98%) zu tun. Sonsoles San Román, Soziologin an der Universidad Autónoma de Madrid, erklärte, die Frauen hätten selbst verinnerlicht, dass Sanftheit, Warmherzigkeit und Geduld feminine Eigenschaften seien und sie sich wie eine zweite Mutter um die Kleinkinder zu kümmern hätten.

Auf der anderen Seite steigt der Anteil der Lehrer in den höheren Klassenstufen. In der Sekundärstufe machen die männlichen Kollegen knapp 40% des Lehrkörpers aus. Hier wird ein höherer Abschluss gefordert und der Posten entsprechend besser bezahlt.

Ein Grundschullehrer bezieht ein Gehalt von 32.389 Euro brutto, sein Kollege in der Sekundarstufe 36.153 Euro. Aus Sicht der Experten trägt dies dazu bei, dass in der Grundschule weniger männliche Lehrkräfte tätig seien, weil diese höhere finanzielle Ambitionen hätten. Das spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass an den Grundschulen nur 19% Lehrer, aber 39% männliche Direktoren und 25% Studienleiter beschäftigt sind.

Die Gewerkschaft CC.OO. wies bereits 2014 auf das Ungleichgewicht der Geschlechterverteilung an den Grundschulen hin und forderte die Politiker auf, den Eintritt männlicher Lehrkräfte in Kindergärten, Vor- und Grundschule zu fördern, damit die Schüler in den ersten Jahren nicht eine fast ausschließlich feminine Figur erleben würden.

Tatsächlich wird im frühen Bildungswesen nicht der Geschlechterausgleich gefördert, so wie im technischen und im wissenschaftlichen Bereich, in denen man redlich bemüht ist, das entsprechende Interesse bei den Frauen zu wecken.

Die Regierung hat klargestellt, eine solche Förderung im Bildungswesen auch nicht für nötig zu halten, schließlich ginge es darum, dass die Lehrer, welchen Geschlechts auch immer, den Lehrstoff übermittelten.




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