Ex-ETA-Mitglied ruft zur Rückkehr zum Terrorismus auf


Der Terrorist Iñaki Bilbao Goicoetxea hat die Gewohnheit, bei Gerichtsterminen Morddrohungen gegen die Richter auszusprechen. In diesem Archivbild imitiert er mit der Hand eine Pistole und tut so, als ob er sie durch die Scheibe der Sicherheitskabine auf den vorsitzenden Richter abfeuern würde. In seiner jüngsten Anhörung via Video-Konferenz wegen des brieflichen Gewaltaufrufes bedrohte er auch den Richter des Nationalen Gerichtshofes Fernando Andreu mit den Worten: „Sie sind der Teufel des Baskenlandes, und wenn ich Sie erwische, töte ich Sie!“. Foto: EFE

In einem Schreiben aus dem Gefängnis heraus wirft Iñaki Bilbao seinen ehemaligen Kampfgenossen Verrat vor

Madrid – Iñaki Bilbao Goicoe­txea, ein ehemaliger Anführer der ETA, der 2014 aus der baskischen Terrorgruppe ausgeschlossen wurde, weil er gegen den Gewaltverzicht eingetreten ist, hat die Mitglieder der Organisation in einem handgeschriebenen Brief aufgerufen, zum bewaffneten Kampf zurückzukehren.

Die Botschaft wurde in der Justizvollzugsanstalt von Cádiz, wo Iñaki Bilbao eine 45-jährige Haftstrafe verbüßt, abgefangen und an den Nationalen Gerichtshof weitergeleitet. Daraufhin ordnete das Hohe Gericht  eine Befragung Bilbaos wegen mutmaßlicher Gewaltverherrlichung an. In der Anhörung, die per Video-Konferenz durchgeführt wurde, äußerte der verurteilte Terrorist, ebenso wie schon bei verschiedenen früheren Gerichtsterminen, Morddrohungen gegen den Richter, in diesem Fall gegen Richter Fernando Andreu. Dieses Verhalten wird ihm einige weitere Jahre Gefängnis einbringen.

„Der Krieg wird mit Schüssen gewonnen“

In seinem sechsseitigen Brief an die Mitglieder der ETA mit dem Titel „Der Krieg wird mit Schüssen gewonnen“, zitiert Iñaki Bilbao Goicoetxea, alias Txikito, verschiedene seiner Vorbilder. Darunter José Miguel Beñarán, alias Argala, der im Jahr 1973 an der Ermordung des damaligen franquistischen Regierungspräsidenten Luis Carrero Blanco beteiligt war, mit dem Ausspruch: „Die Niederlage wird jenen zuteil, welche, obwohl sie Waffen haben, diese in der Stunde des Kampfes feige versteckten und sie dem Faschismus übergeben wollen; denjenigen, die Vorbilder im Kampf hätten sein können und stattdessen ihre Zeit und ihr Ansehen ohne Vertrauen in ihre Würde und Ideale vergeudet haben durch erniedrigende Verhandlungen mit dem Feind und erbärmlich geworden sind.“ Ein weiteres Zitat wird Txabi Etxebarrieta zugeschrieben: „Es gibt zwei Arten des Nationalismus, den der Mächtigen und den der Unterdrückten. Es ist offensichtlich, dass unserer für letztere ist.“

Attentat aus Versehen

Etxebarrieta hatte 1968 das erste Attentat der ETA begangen. Er tötete einen Beamten der Guardia Civil – unnötigerweise –, weil er während einer Verkehrskontrolle die Beherrschung verlor. Er selbst starb noch am selben Tag bei einer Schießerei mit der Polizei.

Auch Che Guevara wird in dem Gewaltaufruf Bilbaos mit dem Ausspruch zitiert: „Es gibt kein noch so mächtiges Heer, das sich einem Volk in Waffen entgegenstellen kann.“ Lenin kommt ebenfalls zu Wort: „Die Arbeiterklasse, die sich nicht bemüht, zu lernen, Waffen zu führen und sie zu besitzen, verdient es nicht besser, als wie Sklaven behandelt zu werden“. Am Schluss des Briefes folgen einige Parolen in baskischer Sprache wie: „Revolution oder Tod!“ und „Es lebe der bewaffnete Kampf!“. Unterschrieben ist das Traktat mit „Der Sternenwanderer“, dem Titel eines wenig bekannten Romans von Jack London, dessen Hauptfigur ein Häftling ist. Ein träumerisch-sanftes Pseudonym, das so gar nicht zu einem der blutigsten und brutalsten Terroristen der ETA passen will.

Die tatsächliche Entwicklung der ETA scheint genau entgegengesetzt zu den Wünschen Iñaki Bilbaos zu verlaufen.

350 ETA-Häftlinge sind aufgerufen, den Widerstand aufzugeben

Die „Gemeinschaft baskischer politischer Gefangener“ EPPK hat die rund 350 ETA-Häftlinge, die noch in spanischen Gefängnissen einsitzen, im Dezember aufgefordert, den Widerstand aufzugeben und jeder für sich die juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen, die es erlauben, „die Gefängnisse zu leeren“. Dabei sollen sie jedoch weiterhin keine Reue zeigen und niemanden denunzieren.

Quellen aus dem Anti-Terror-Kampf geben an, dass es innerhalb der ETA kaum Widerstand gegen den Gewaltverzicht gebe und man nicht mit einer Rückkehr zum bewaffneten Kampf rechne. Aufrufe wie der des Ex-ETA-Terroristen Bilbao würden jedoch ein Risiko bergen und jenen Auftrieb geben, die den Terrorismus wiederaufleben lassen wollen.

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