Aznars Firma widmet sich der Facebook-Schnüffelei


José María Aznar auf dem Weg zum Interview mit dem Radiosender Cadena SER. Foto: EFE

Der ehemalige Regierungschef José María Aznar sitzt im Aufsichtsrat von Afiniti, dessen Programme die sozialen Netzwerke von Call-Center-Anrufern in Sekundenschnelle auswerten

Madrid/Washington – Kürzlich erklärte der ehemalige spanische Regierungschef (1996 – 2004) José María Aznar in einem Interview mit dem Radiosender Cadena SER, er sei mittlerweile beruflich in der Welt der Künstlichen Intelligenz (KI) tätig.

Tatsächlich sitzt Aznar seit Mitte 2016 im Aufsichtsrat des US-amerikanischen Unternehmens Afiniti, welches Algorithmen entwickelt, um die Effizienz von Call-Centern zu erhöhen. Darunter gibt es Programme, welche die Telefonnummer eines Call-Center-Anrufers in kürzester Zeit mit verschiedenen Datenbanken (wie Experian oder Acxiom) vergleichen und sodann die von ihm genutzten sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter, LinkedIn etc. analysieren, um ihn dann, bevor noch das erste Wort gesprochen ist, einem zu ihm passenden Verkäufer zuzuweisen.

Noch ehe ein Anruf angenommen ist, weiß das KI-Programm von Afiniti bereits, welcher Telefonist – je nach Herkunft, Alter, Einkommens- und Interessenlage des Anrufers – die größten Erfolgsaussichten bei diesem Kunden hat. All dies ist aus den eigenen Veröffentlichungen in den sozialen Netzwerken und den Kreditkartendaten ablesbar.

Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen über 40 Patente für die Ermittlung und Verarbeitung solcher Daten und kann die Verkaufserfolge seiner Kunden um über 4% steigern.

Das Geschäftsmodell von Afiniti beruht darauf, Internetnutzer auszuforschen, um die Effizienz der Verkaufsbemühungen von Unternehmen zu steigern. Bei dem Telekommunikationsgiganten T-Mobile soll so der Gewinn durch die Optimierung der 50 Millionen Anrufe, welche die Angestellten dieses Unternehmens jährlich tätigen, um 70 Millionen Dollar gesteigert worden sein.

Afiniti arbeitet auch in Spanien. Die Daten der Firmen, die mit den Afiniti-Algorithmen arbeiten, sind jedoch vertraulich.

Die Führungsriege des Unternehmens ist hochkarätig besetzt: Ein ehemaliger spanischer Regierungschef im Aufsichtsrat; Elizabeth Murdoch, die Tochter von Medientycoon Rupert Murdoch, ist Mitglied des Beirates. Aznars Sohn Alonso ist seit 2015 Generaldirektor für Mexico und Spanien. Zuvor war der jüngste Aznarspross weniger erfolgreich darin, zwei Apps zur Partnersuche per Handy zu vermarkten.




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