Wichtige Aspekte der kanarischen Wirtschaftslage


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ZEC führte Interview mit Unternehmer Roland Schumann

Roland Schumann ist deutscher Abstammung, obwohl er in Santa Cruz de Tenerife geboren wurde, der Stadt, in der er zurzeit auch mit seiner Familie lebt und wo er seiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmensberater für diverse Firmen sowie Einrichtungen und Behörden der öffentlichen kanarischen Verwaltung nachgeht.

Schumann, der über eine langjährige berufliche Erfahrung verfügt, die er während seiner Laufbahn in verschiedenen europäischen Städten erworben hat, spricht in diesem Interview über wichtige Aspekte der Wirtschaftslage auf den Kanarischen Inseln. Als Experte auf diesem Fachgebiet erläutert er, welche Möglichkeiten der Archipel ausländischen Investoren im Allgemeinen bietet. Hier geht er von der Prämisse aus, dass die erfolgreichen Erfahrungen der deutschen Unternehmer aus der Kanarischen Sonderzone (ZEC) der beste Ansatzpunkt sind.

Was hat der Archipel bei der derzeitigen Wirtschaftslage Ihrer Meinung nach ausländischen Investoren zu bieten?

Auf internationalem Niveau sind wir Zeugen der Desintegration der klassischen Wertketten, was zum Teil auf den Globalisierungsprozess zurückzuführen ist. Wir befinden uns in einer Phase tief greifender Veränderungen und, soviel ist klar, die Kanarischen Inseln dürfen nicht von der von der technologischen Revolution gelenkten globalen Wirtschaft ausgeschlossen werden. Das Internet und die neuen Technologien sind zu Bestandteilen des alltäglichen Lebens geworden, und das hat zu wesentlichen Veränderungen geführt. Die Kanarischen Inseln befinden sich in einem entscheidenden Moment, denn gerade endet ein Zyklus, der von der Sättigung des wirtschaftlichen Wachstumsmodells basierend auf dem Tourismus und der Baubranche bestimmt wird und sich von quantitativen Kriterien leiten lässt, aber auf seiner Suche nach Diversifizierung nach einer Umorientierung des bisherigen kanarischen Produktions-systems zu qualitativen Kriterien verlangt.  Um diesen Prozess in die Wege zu leiten, sind neue Systeme erforderlich, die optimale Fähigkeiten bei der Verwaltung der zur Verfügung stehenden Ressourcen kombinieren.

Wie beurteilen Sie die Herausforderung für die kanarische Wirtschaft auf der Suche nach der Diversifizierung ihrer Produktionsstrukturen?

Die Diversifizierung ist äußerst wichtig für die Kanarischen Inseln, aber meiner Meinung nach sollte diese nicht durch eine komplett neue Herangehensweise in die Wege geleitet werden, sondern bei den schon aktiven ansetzen und den Vorteilen, über die wir verfügen. Das heißt, sie sollte sich um Aktivitäten wie den Handel, den Tourismus, die Baubranche, etc. herumbewegen. Die Kanarischen Inseln müssen eine Industrie aufbauen, die mit diesen schon konsolidierten Geschäftsbereichen verbunden ist. In diesem Zusammenhang kann man unter anderem Unternehmensinitiativen in Bereichen wie dem Gesundheits-, Freizeit- und Kongresstourismus entwickeln.

Die Kanarischen Inseln verfügen über eines der interessantesten Steuersysteme der Europäischen Union: die Kanarische Sonderzone (ZEC). Was denken Sie über dieses Instrument?

Die Kanarische Sonderzone ist ein Instrument, das die Zeit überdauert hat. An dieser Stelle sollte daran erinnert werden, dass das Niedrigsteuergebiet im Jahr 2000 von der EU-Kommission genehmigt wurde und im Jahr 2001 seinen Betrieb aufnahm. Zudem wurde die Laufzeit bis zum Jahr 2019 verlängert, und das ist sehr wichtig für die Unternehmer, denn es sichert einen stabilen, geregelten Rahmen mit Planungsmöglichkeiten. Andererseits sind die Steuervergünstigungen der ZEC sehr interessant und hinzu kommt die Möglichkeit, dass die Unternehmen der ZEC ihre Tätigkeit auf dem gesamten Archipel ausüben können. Die ZEC ist nicht nur ein weiteres Element, das die Kanarischen Inseln insgesamt bieten. Die Inseln sind auch ein wunderbarer Ort zum Leben, denn sie verfügen über fantastische Klimabedingungen. Außerdem gibt es direkte Flugverbindungen zu den wichtigsten Städten Europas und ein erstklassiges Schul- und Gesundheitssystem. All diese Faktoren tragen definitiv dazu bei, dass die Inseln ein Gebiet mit einem hohen sozialwirtschaftlichen Niveau sind, wo die Lebensqualität an erster Stelle steht und die Kombination dieser Faktoren maßgebend ist bei der Entscheidung, sich in einem bestimmten Gebiet niederzulassen.

Welcher Wirtschaftszweig bietet Ihrer Meinung nach die größten Möglichkeiten für die Kanarischen Inseln?

Ich denke, es ist der Bereich Erneuerbare Energien. Die Kanarischen Inseln verfügen über Komponenten wie ein ganz­jährig konstantes Windpotenzial, Sonneneinstrahlung, Gezeitenkraft und alles, was mit geothermischer Energie verbunden ist. Zudem gibt es auf den Inseln erstrangige Forschungs- und Entwicklungsinstitute wie das Technologische Institut der Kanarischen Inseln (ITC), d. h., dass die Inseln über die erforderliche Technologie für die Entwicklung dieser Aktivität verfügen. In Bezug auf die solarthermische Energie ist das Potenzial enorm, außerdem handelt es sich hier um eine Geschäftstätigkeit mit einem hohen zusätzlichen Wert. Zum Bereich Fotovoltaik ist zu sagen, dass der Sektor von Subventionen auf nationaler Ebene abhängig ist. Sein Entwicklungsstand ist sehr unterschiedlich auf den verschiedenen Inseln. Bezüglich der Windenergie besteht ein leichter Rückstand im Vergleich zum Festland, aber hier handelt es sich zurzeit um eine der Geschäfts­tätigkeiten mit dem größten Potenzial und es ist vorgesehen, mehrere Windparks zu erschließen. Hervorzuheben ist auch, dass nach der letzten von der EU ratifizierten Änderung bezüglich der ZEC die Erzeugung von erneuerbaren Energien in die Liste der im Niedrigsteuergebiet zugelassenen Aktivitäten aufgenommen wurde.

Was denken Sie über die Möglichkeiten der Kanarischen Inseln als Logistik­plattform für Unternehmen, die erwägen, nach Afrika zu expandieren?

Klar ist, dass die Nähe zwischen Afrika und den Kanarischen Inseln ein entscheidender Faktor ist und sich die Beziehungen zwischen den beiden Gebieten aufgrund des Gewichts der in der Vergangenheit aufgebauten Beziehungen vertiefen werden. Deshalb erfordert die Erschließung neuer Märkte, wie das bei den westafrikanischen Ländern der Fall ist, die Bildung eines „Circulus virtuosus“. Das bedeutet, das Angebot vor die Nachfrage zu stellen, um eine Kette zu schaffen, die die Kanalisierung von Investitionen unterstützt. Was das Potenzial der Kanarischen Inseln als logistische Operationsbasis angeht, bestehen hier überhaupt keine Zweifel, genauso wie bei den großen Möglichkeiten, die der afrikanische Kontinent in einigen Wirtschaftsbereichen bietet.

Weitere Information:

deutsch2@zec.org

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