Vom Lastesel zum Streicheltier


Die dunkelbraune Zeichnung ist typisch für den „Burro Majorero“. Foto: Cabildo fuerteventura

Der Verein „Soo“ will den Fuerteventura-Esel vor dem Aussterben bewahren

Fuerteventura – Früher waren die Esel auf Fuerteventura als Arbeitstiere unentbehrlich. Doch das Verschwinden der traditionellen Landwirtschaft und die Einführung moderner Transportmittel haben dazu geführt, dass sich die Population des „Burro Majorero“ stark verringert hat. Heute werden die Esel fast nur noch als Streicheltiere gehalten.

Der vor achtzehn Jahren gegründete Verein „Soo“ hat sich die Erhaltung der Art auf die Fahnen geschrieben und bemüht sich darum, alle auf Fuerteventura lebenden Exemplare zu erfassen. 145 Tiere wurden bisher gezählt, hinzu kommen noch etliche frei lebende Esel, die bisher noch nicht registriert werden konnten.

Die Esel wurden Mitte des 15. Jahrhunderts von den spanischen Eroberern aus Nordwestafrika nach Fuerteventura gebracht und sind eng mit den noch heute dort lebenden Eselsarten verwandt. In den darauffolgenden Jahrhunderten entwickelten sich die Fuerteventura-Esel zu einer eigenen Haustierrasse, die sich an die kargen Lebensbedingungen auf der von Vulkanlandschaften und Trockenheit geprägten Insel angepasst haben.

Seit 1997 ist der „Burro Majorero“ als eigene Rasse im Offiziellen Katalog der Nutztiere Spaniens anerkannt. Obwohl die bis zu 1,20 Meter großen, um drei Zentner schweren Tiere eher zart und zierlich wirken, sind sie äußerst robust, langlebig und genügsam. Typisch ist ihre Zeichnung mit einem dunkelbraunen Aalstrich entlang des Rückgrates und einem weiteren vertikalen Strich vom Widerrist abwärts sowie gelegentlich mehr oder weniger stark ausgeprägten „Zebrastreifen“ an den Beinen.

Der Verein „Soo“ erhält mittlerweile finanzielle Hilfen aus den Fördermitteln, welche die Kanarenregierung für den Schutz einheimischer Arten zur Verfügung stellt, und eine Subvention der Inselregierung. So konnte man beginnen, ein Programm zur Erhaltung und Kontrolle des Bestandes umzusetzen.

Mittlerweile gibt es einen Tierarzt, der die Esel untersucht, mit einem Mikrochip versieht und impft, ohne dass Kosten für die Halter der Esel entstehen.

Diese und andere Maßnahmen möchte der Verein langfristig auch auf andere Inseln ausweiten, auf denen Fuerteventura-Esel gehalten werden. Zu diesem Zweck sollen auch die Esel, die auf Lanzarote, Gran Canaria und La Palma leben, bald in das Register des Vereins aufgenommen werden.

Frei lebende Herden

Eine besondere Herausforderung stellen frei lebende Eselsherden dar, die unter anderem in Pájara, Cofete und Jandía anzutreffen sind. Im Touristenort Morro Jable gibt es sogar eine Herde, die mitten im Ort lebt und in den städtischen Grünanlagen grast. Sie haben sich mittlerweile zu einer Touristenattraktion entwickelt, doch gibt es auch immer wieder Kritik wegen der mangelnden tierärztlichen Versorgung und der Gefahr, die die frei laufenden Esel für den Straßenverkehr darstellen.

„Soo“ will auch diese Esel erfassen, und es gibt den Plan, sie zum Versuchsbauernhof des Cabildos in Pozo Negro zu locken, um sie dort an regelmäßige Fütterung und Versorgung zu gewöhnen, sodass sie zwar frei, aber auch unter sichereren Bedingungen leben und zudem für die Zuchtwahl zur Verfügung stehen würden.

Zurzeit wird zu wenig Nachwuchs geboren, um die Art des „Burro Majorero“ zu erhalten. Um die genetische Vielfalt zu fördern, wird ein Abstammungsbuch erstellt, für das auch die Väter der erfassten Exemplare per Gentest ermittelt werden, sodass Inzucht künftig vermieden werden kann.




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