Segler mit klarer Botschaft


Die Avontuur ist ein zweimastiger Gaffelschoner, Baujahr 1920. Bis 2005 wurde sie als Frachtsegler genutzt, zuletzt vom niederländischen Kapitän Paul Whalen. Er segelte Fracht zwischen Nord- und Ostsee, dem Nordatlantik und Häfen in der Karibik, wo die Avontuur als einer der letzten wahren Frachtsegler des 21. Jahrhunderts galt. Nachdem sie einige Jahre als Passagierschiff für Tagesausflüge entlang der holländischen Küste und zwischen den Westfriesischen Inseln operierte, wurde sie im Herbst 2014 das Fundament der Timbercoast Gemeinschaft. Foto: timbercoast

Der Frachtsegler Avontuur bringt Waren „klimafreundlich“ über die Ozeane

La Palma – Das Schiff Avontuur ist ein nachhaltiger Frachtsegler, der Waren zwischen Europa und der Welt transportiert – ohne Motorantrieb, nur mit Wind. Damit will das Projekt Timbercoast ein Zeichen setzen für den Umweltschutz auf See. Die meisten Konsumgüter, die wir täglich nutzen, werden per Containerschiff zu uns transportiert. Was viele nicht wissen: Abgesehen von der Verschmutzung der Meere, produzieren diese Containerriesen jährlich mehr als eine Milliarde Tonnen Kohlenstoffdioxid, mehr als die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Cornelius Bockermann, Investor und Kapitän, rief deshalb das Projekt Timbercoast ins Leben, um das 1920 gebaute Frachtsegelschiff Avontuur wieder fit für den Seehandel zu machen.

Kapitän Cornelius Bockermann: „Unsere Arbeit mag wie ein Tropfen im Ozean wirken, aber wir bleiben standhaft, und zusammen sind wir die Gezeiten, die die Seefahrtindustrie verändern werden!“ Foto: Daniela Buchholz

Er löste mit seiner Idee große Begeisterung aus, und Freiwillige aus der ganzen Welt schlossen sich an, um zu helfen. „Wir haben eine klare Botschaft. Wir wollen auf die Missstände in der Welthandelsflotte hinweisen und zeigen, dass Waren sauber und emissionsfrei über den Seeweg transportiert werden können“, so Bockermann. Und deshalb segeln sie jetzt. Von Europa in die Welt und wieder zurück, mit an Bord ökologische Produkte wie Mode, Kaffee, Kakao, Rum und auch interessierte Trainees, die auf der Avontuur verantwortungsvolle Schifffahrt erlernen können.

Die Avontuur kann 114 Tonnen Fracht transportieren und Produkte an Orte bringen, an denen sie nicht regional produziert werden können. Das Projekt ist ein Beweis und gleichzeitig eine Chance für die stetig wachsende Bewegung von Konsumentinnen und Konsumenten, denen die Transparenz aller Schritte der Produktionskette, inklusive des Transports, wichtig ist.

Das Timbercoast-Projekt gründet auf der Tatsache, dass mehr als 90 Prozent des globalen Welthandels über hochgradig umweltverschmutzende Containerschiffe abgewickelt werden. Laut Timbercoast sind das circa 51.000 Frachter, die fast ausschließlich mit Schweröl betrieben werden – ein extrem schwefelhaltiger, teerartiger Brennstoff, der als Treibstoff erst einmal erhitzt werden muss, damit er flüssig wird und deshalb an Land längst verboten ist und als Sondermüll entsorgt werden muss.

Die Weltschifffahrt stößt jährlich mehr CO2-Emissionen aus als die gesamte Bundesrepublik Deutschland, die unter den Kohlenstoffdioxid-Emittenten der Welt immerhin auf Platz 6 liegt. Was auf unseren Straßen mit grünen Plaketten und Schadstoff-Richtlinien längst geregelt wird, ist aber auf See kaum Thema.

Des Weiteren werden neben dem CO2 von der Welthandelsflotte massenhaft Stickoxide, Feinstaub, Ruß und Schwefeldioxide ausgestoßen. Mit mehr als 20 Millionen Tonnen Stickoxid (NOx), übertrifft die Schifffahrt den Luftverkehr um das Zehnfache und mit rund 12 Millionen Tonnen Schwefeldioxid (SO2) sogar um das Hundertfache – laut Timbercoast Daten der SeaKLIM Studie des Forschungszentrums der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt.

„Die konventionelle Schifffahrt ist eine Umweltschweinerei“

Timbercoast-Initiator und Kapitän Cornelius Bockermann will den Segelfrachttransport mit der Avontuur als Handelsschiff wiederbeleben. Geboren am 06.02.1959 in Bremen, faszinierten ihn Schiffe und Seefahrt schon als Jugendlicher. Nachdem er seine Karriere als Schiffsjunge begann, absolvierte er das Studium der Nautik und Schiffsmaschinentechnik und bekam das Kapitänspatent.

Er gründete seine eigene Reederei, die Schwertransporte für die Öl-Industrie ausführte und unter anderem Schiffswracks vor der afrikanischen Küste barg oder komplette Plattformen transportierte. Ein lukratives Geschäft, womit er viel Geld verdiente, das ihm aber auch immer mehr bewusst machte, welche Auswirkungen die weltweite Transportschifffahrt auf die Meere hat.

Während seiner mehr als 20-jährigen Arbeitserfahrung in der Schifffahrtsindustrie, hatte Cornelius Bockermann sich immer mehr ein eigenes Bild davon gemacht, wie wir Menschen unsere Umwelt nachteilig beeinflussen. „Die konventionelle Schifffahrt ist eine Umweltschweinerei“, sagt Bockermann heute. „Eins der weltgrößten Containerschiffe, die Emma Maersk, bläst etwa 300.000 Tonnen CO2 pro Jahr in die Luft – das ist vergleichbar mit einem mittleren Kohlekraftwerk“.

Er stellte sich die Frage: Wie kann man Unternehmen und Verbraucher wachrütteln und eine nachhaltige Möglichkeit des Transports aufzeigen? In Groningen fand Cornelius Bockermann die Antwort: die Avontuur. Ein Frachtsegelschiff, gebaut 1920.

Da der Gaffelschoner schon etliche Male umgebaut worden war, musste er zuerst wieder in seinen ursprünglichen Zustand als Frachtsegler zurückversetzt werden. Über das Internet suchte Bockermann nach Freiwilligen, die an dem Projekt mitarbeiten und für einen Tag Arbeit später einen Segeltag auf der Avontuur bekamen. Kost, Logis, Arbeitskleidung und Versicherung wurde gestellt.

160 Freiwillige kamen von November 2014 bis Juli 2016 in die Elsflether Werft in Niedersachen, um den Frachtsegler wieder fit zu machen für den Seehandel.

Stippvisite auf den Kanaren

Die erste Tour mit der umgebauten Avontuur fand 2016 in die Karibik statt. Nun segelt die Avontuur erneut los, von Frankreich nach Kanada. Die Ladung besteht aus nachhaltiger Mode und Waren, die regional in Frankreich hergestellt wurden. Die Waren sind für die Firma Port Franc in Montreal bestimmt, das weltweit erste Unternehmen, das eine nachhaltige und saubere Transportkette aufweist: Die Waren sind ökologisch hergestellt, werden mit Lastenfahrrädern und Elektro-LKWs zum Hafen und vom Hafen transportiert. Vom Produktionsort zum Kunden komplett umweltfreundlich.

Der einzige Zwischenstopp auf der zweieinhalbmonatigen Reise nach Kanada ist im August auf La Palma. Voraussichtlich wird die Avontuur am 16. August in Santa Cruz de la Palma anlegen.

Von La Palma nach Montreal, Kanada, sind noch zwei Plätze zum Mitsegeln frei. Bei Interesse besteht die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme über www.timbercoast.com.

Bei facebook (https://www.facebook.com/timbercoast/) können Interessierte verfolgen, wann genau die Avontuur auf La Palma ankommt.

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