MiradasDoc brachte das Berliner Filmpublikum dem Süden nahe


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Vom 18. bis 19. Mai 2009 gastierte das Internationale Kanarische Filmfestival MiradasDoc im Berliner Kino Babylon. Eingeladen hatte die Deutsch-Kanarische Gesellschaft Canarias en Berlín.

Berlin – Im Rahmen der Filmreihe „Cine en español“ des Spanischen  Kulturinstitutes Cervantes wurde es möglich, sechs ausgewählte Filme des Festivals, davon einer in Deutschlandpremiere, erstmalig in Berlin zu zeigen.

Der Präsident von Canarias en Berlín, Javier Krawietz Rodríguez, und der Direktor des Instituto Cervantes Berlin, Gaspar Cano Peral, begrüßten zusammen mit Festivaldirektor Alejandro Krawietz, die zahlreichen Besucher im Kino Babylon.

Aus dem Süden Teneriffas für den Süden der Welt

Es entstand im Süden Teneriffas, in Guá de Isora, und wurde 2006 gegründet: Das Dokumentarfilmfestival des Südens, MiradasDoc. Es entstand vor allem aber in den Köpfen von Menschen. Allen voran bei Alejandro Krawietz, dem langjährigen Direktor des Festivals. Der Festivalfokus liegt zunächst ganz natürlich auf dem kanarischen Dokumentarfilm, hier in Deutschland so gut wie unbekannt.

Aber man konzentrierte sich von vorneherein auf die sozialen Zusammenhänge der filmisch widergespiegelten Welt, wie sie sich unter den Lebensverhältnissen und -perspektiven der Länder Afrikas, Asiens und Südamerikas ergeben. „Festival des Südens“ meint selbstredend auch Südeuropa. Und da positionieren sich die Kanaren als bekannter Schmelztiegel zwischen Europa und Amerika  besonders in historischer Nähe und Beziehung zu Lateinamerika, was sich auch in vielen Festivalbeiträgen zeigt. Insgesamt erklärt sich aus dieser globalen Haltung die wohl einmalige Mischung der rund tausend Filmeinreichungen aus über hundert Ländern pro Fes-tival und schließlich die heutige der weltweiten Anerkennung der prämierten Filme von MiradasDoc.

Es geht um die soziale Gesundheit der Welt

Natürlich ist die Realität überall. Aber es kommt auf die besondere Perspektive an, sie zu erfassen. „Mir geht es darum, die soziale Gesundheit der Welt im Dokumentarfilm zu thematisieren“, sagt Alejandro Kawietz über seine Arbeit als Festivaldirektor. Dabei stehe weniger das übliche Leiden, die üblichen Anklagen und das übliche Mitleid im Mittelpunkt, sondern die Kraft der im Leben und im Film agierenden Menschen, selbst ihr Leben zu gestalten, ihre eigene persönliche Perspektive zu finden oder zu haben.“

Über die Idee und das Sendungsbewusstsein der Macher hinaus benötigte der Start von  MiradasDoc leidenschaftliche und engagierte Unterstützer, sonst wäre  es nicht gelungen, heute da zu sein, wo man in der internationalen Anerkennung steht: Die kanarische Regionalregierung, speziell das Kultur- und Arbeitsministerium der Kanaren, die Inselregierung von Teneriffa, der Bürgermeister und der Stadtrat von Guía de Isora selbst, nicht zuletzt die Casa Africa… Das Festival wird natürlich vor Ort durchgeführt. Aber das Wichtige daran ist, man bleibt nicht „unter sich“, zieht hinaus in die Welt: Tarifa, Madrid, Barcelona, Salvador de Bahia (Brasilien),  Länder wie Uruguay, Iran, Burkina Fasos stehen genauso auf dem filmischen Reiseplan wie nun erstmalig Berlin.

Hier in Berlin wurde an den zwei Abenden mit den anwesenden Filmemachern reichlich diskutiert. Am Eröffnungsabend gab die Deutsch-Kanarische Gesellschaft einen Empfang im Foyer des Babylon.

Das nächste MiradasDoc-Festival findet vom 1. bis 7. November dieses Jahres in Guía de Isora auf Teneriffa statt.

León Wolfgang Schönau

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