Neue Theorie über die Besiedelung des Archipels


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Archäologischer Fund auf Lanzarote: Phönizier waren bereits 1000 v. Chr. auf den Kanaren

Eine der vielen Fragen über die Geschichte des kanarischen Archipels ist, ob die Völker der Antike die Inseln bereits kannten. Historiker haben die verschiedensten Theorien aufgestellt.

Die griechischen Dichter Homer und Hesiod erwähnen in ihren Schriften Inseln, die noch hinter den „Säulen des Herakles“ (Meer­enge von Gibraltar) liegen und die sie als „Hesperiden“ oder „Elysische Gefilde“ bezeichneten. Die Inseln galten als eine Art Paradies auf Erden. Darüber, dass bereits die Phönizier auf ihren Handelsrouten bis zu den Kanarischen Inseln gelangten, wurde bislang nur spekuliert. Doch nun ist der archäologische Beweis dafür erbracht, dass dieses Volk des Altertums tatsächlich die Kanaren kannte und teilweise besiedelte.

Archäologen haben bei Ausgrabungsarbeiten in Teguise eine Stätte entdeckt, die aus der Zeit der Phönizier stammen soll. Damit wird die bisher gültige Theorie über die Besiedelung des Archipels ab dem ersten Jahrhundert nach Christus widerlegt und die Besiedelung der Inseln quasi um 1.000 Jahre auf das 10. Jahrhundert vor Christus vorverlegt.

Es waren also doch nicht die Römer mit ihren afrikanischen Sklaven, die sich als erste auf den Inseln des ewigen Frühlings niederließen, sondern vermutlich die Phönizier. Um diese neue Theorie aufstellen und Beweise erbringen zu können, haben die Archäologen in Teguise und in anderen Gebieten auf Lanzarote über vier Jahre lang gearbeitet, bis sie auf die entscheidende Stelle gestoßen sind. Dort fanden sie die Überreste einer etwa 100 Quadratmeter großen Behausung mit mehreren Unterteilungen sowie Keramikteile, Ziergegenstände, einen gemeißelten Stein und ein ein Zentimeter hohes Gefäß.

Der Archäologe Pablo Atoche Peña, der die Ausgrabungen leitet, erklärte der Nachrichtenagentur EFE, dass es sich vermutlich um eine Art Lager handelt, das gebaut wurde, um Waren vor der Ausfuhr aufzubewahren.

Die in Florida (USA) durchgeführten Laboranalysen haben ergeben, dass die Stätte im 10. Jahrhundert v. Chr. erbaut wurde. Aus dieser Zeit stammen vermutlich auch die in einer kleinen Höhle bei Icod de los Vinos auf Teneriffa gefundenen Spuren menschlicher Aktivität.  

Der genaue Fundort wurde nicht bekanntgegeben, um Plünderungen vorzubeugen. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass die Stätte bei Tiagua in Teguise, etwa sechs Kilometer von der Küste entfernt liegt.

Das Team von Archäologen, Geschichtsforschern, Biologen und Bodenkundlern, das unter der Leitung von Archäologe und Universitätsprofessor Pablo Atoche Peña steht, hat verschiedene Hypothesen über die Erbauer der Stätte aufgestellt: Entweder waren es die Tartessen oder die Phönizier. Obwohl nicht ausgeschlossen wird, dass Angehörige des mythischen südspanischen König­reichs Tartessos vom Süden der Iberischen Halbinsel aus mit Schiffen bis zu den Kanaren gelangten, ist Pablo Atoche Peña doch eher geneigt zu glauben, dass die Behausung von den Phöniziern stammt.

Doch die Ausgrabungen haben nicht nur die Geschichte der Besiedelung der Kanaren um 1000 Jahre vordatiert, sondern auch Neues über die Vergangenheit Lanzarotes zu Tage gefördert. So soll anhand von Bodenproben festgestellt worden sein, dass die Insel einst ein grüner Kiefernwald mit üppiger Vegetation war.

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