100 Prozent „sauberer“ Inselstrom!


© Gorona del Viento

El Hierros Windwasserkraftwerk hat erstmals sein Ziel erreicht:

Nachdem El Hierros revolutionäres Windwasserkraftwerk nach einjährigen Probeläufen Ende Juni den Betrieb aufgenommen hatte, erreichte das Werk am 9. August zum ersten Mal das angestrebte Ziel:

Über zwei Stunden wurde der Energieverbrauch der Insel komplett mit Erneuerbaren Energien abgedeckt. Damit hat die kleinste, am äußersten Ende der Europäischen Union gelegene Kanareninsel ihre Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bewiesen und wurde zum weltweiten Vorbild.

Einjährige Probephase

Nachdem das Windwasserkraftwerk am 27. Juni 2014 unter anderem von dessen „Erfindern“ Tomás Padrón, El Hierros erstem Inselpräsidenten der Demokratie, und Ricardo Melchior, ehemaligem Cabildo-Präsidenten Teneriffas, eingeschaltet worden war, folgten unzählige Testläufe und Probephasen, bis das Werk am 24. Juni dieses Jahres einen bedeutenden Teil der Stromversorgung übernahm. Allein im ersten Monat erzeugte das Werk bis zu 81% des Stromverbrauchs und sorgte für eine Einsparung von 300 Tonnen fossilen Brennstoffen sowie bewahrte die Umwelt vor einem Ausstoß von 1.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, wie Cabildo-Präsidentin Belén Allende per offizieller Mitteilung bekannt gab. Nach den Worten von Allende, ebenfalls Präsidentin der Betreibergesellschaft Gorona del Viento, habe man den ersten Monat der Inbetriebnahme genutzt, um auch die Stromabrechnung anzupassen, denn aufgrund eines 66%-igen Anteils des Cabildos an der Betreibergesellschaft fließen die Zahlungen der Bevölkerung für Strom größtenteils in die Kassen der Inselregierung zurück. 

Zwei Stunden „unabhängig“ vom Erdöl

Am 9. August wurde die von Tomás Padrón und Ricardo Melchior drei Jahrzehnte zuvor erdachte Vision Wirklichkeit – über zwei Stunden versorgte allein das Windwasserkraftwerk die Insel ausschließlich mit Erneuerbaren Energien. Die Dieselgeneratoren konnten erstmals abgeschaltet werden, zwei Stunden lang war die kleinste Kanareninsel am äußersten Ende Europas unabhängig von fossilen Brennstoffen, der Erdöl-Förderung, deren Handel und Anlieferung – ein Wunschtraum vieler Gebiete weltweit. 

Entsprechend groß war die Freude bei der Inselregierung, dem Betreiberunternehmen und dessen weiteren Aktionären Endesa (30%) sowie dem Technologischen Institut der Kanaren (10%)  und dem spanischen Staat, der das Projekt mit mehreren Millionen unterstützt hat. Belén Allende erklärte: „Es handelt sich um ein äußerst bedeutendes Ereignis für die Herreños, die Kanaren, Europa und den ganzen Planeten. Wir liefern den Beweis, dass die zu 100 Prozent saubere Stromversorgung in einem abgeschnittenen Gebiet möglich ist und durch Förderung der Erneuerbaren Energien fossile Brennstoffe überflüssig werden. Die Vorteile für die Umwelt, die Wirtschaft und den Tourismus sind bedeutend.“ Juan Pedro Sánchez, Vorstandsmitglied von Gorona del Viento, wies auf die Einzigartigkeit des Windwasserkraftwerkes hin, das dank der Kombination von Wind- und Wasserkraftwerk kontinuierlich und verlässlich Strom liefern kann. 

Kleine Insel große Ziele

Im Rahmen des Großprojektes „El Hierro, 100% Erneuerbare Energien“, das auch das Vorhaben umfasst, den gesamten Fuhrpark der Insel in E-Autos zu tauschen, wird jetzt weiter daran gearbeitet, dass das Windwasserkraftwerk die komplette Stromversorgung übernimmt und insbesondere die Entsalzungsanlagen zur Trinkwasseraufbereitung betreibt, die für die Hälfte des Inselstromverbrauchs verantwortlich sind. 

Belén Allende gab an, die Stromrechnung würde nicht sinken, weil sich die Strompreise nach den staatlich festgesetzten Tarifen richteten. Die Ersparnisse durch den Wegfall fossiler Brennstoffe würden dem Staat zugute kommen, der erheblich in das Werk investiert habe. Doch aufgrund des Mehrheitsanteils des Cabildos würden die Einnahmen aus der Stromlieferung größtenteils auf der Insel bleiben und in die öffentlichen Dienstleistungen und die Zukunftsprojekte fließen. Das Werk trage den Namen El Hierros in die Welt hinaus, werde weiterhin Besucher anlocken und den Tourismus ankurbeln, was der Inselwirtschaft zugute kommen werde.

Ein Beispiel für Alle

Die Inselregierung ist bemüht, die Funktionsweise des Werkes weltweit bekannt zu machen. Abgesandte aus aller Welt haben bereits dem revolutionären Windwasserkraftwerk einen Besuch abgestattet. Seit einiger Zeit bezieht das Cabildo auch vermehrt die Bevölkerung ein, damit die Einwohner das Werk „als ihres“ empfinden und dessen Zeitgeist verinnerlichen. Aus diesem Grund werden regelmäßig Führungen durch das Werk angeboten, auf der Website demanda.ree.es/visionaCan/VisionaHierro.html kann der reale Strombeitrag verfolgt werden.

Windenergie auf Reserve

Das Windwasserkraftwerk besteht aus einem Windpark, einer Pumpstation, zwei Wasserbecken, einem Turbinenwerk, einer Verteilerstelle und einem Dieselgenerator. 

Der Windpark umfasst fünf in Deutschland hergestellte Windkraftanlagen, die den Strom für die Versorgung der gesamten Insel produzieren. Bei geringem Verbrauch, beispielsweise nachts, werden mit dem überschüssigen Strom die Pumpen angetrieben, die Wasser aus dem unteren Auffangbecken mit einer Kapazität von 150.000 m³ in das über 680 m höher gelegene Becken mit einer Kapazität von 500.000 m³ befördern. Auf diese Weise wird der überschüssige Strom sozusagen „gespeichert“. Denn wenn mal kein Wind weht, wird das Wasser aus dem oberen Becken freigelassen und schießt den Berg hinunter in das untere Becken. Dabei werden Turbinen angetrieben, welche die Energie in Strom umwandeln, der wiederum über die Verteilerstelle ins Netz geleitet wird. 

Nur im Notfall soll der Dieselgenerator eingeschaltet werden.

„Windwasserkraftwerke für Teneriffa“

Den Erfolg des Windwasserkraftwerkes von El Hierro nahm Enrique Rodríguez de Azero, Präsident der Kanarischen Vereinigung Erneuerbare Energien (ACER) zum Anlass, auf die Notwendigkeit der Förderung dieser Kraftwerke auf allen Inseln hinzuweisen. Die Investition sei enorm, doch würden die Einsparungen bei den fossilen Brennstoffen die Kosten relativ zügig ausgleichen, so Azero, der ebenfalls auf die Unabhängigkeit vom Erdöl hinwies. Für Teneriffa würde ein Windpark mit 62 Windkraftanlagen und einer Leistung von 10 Megawatt ausreichen, um den kompletten Strombedarf abzudecken. Die entsprechenden Wasserbecken und Pumpen würden für die Speicherung der überflüssigen Energie sorgen. Bisher sei nur auf Gran Canaria ein solches Projekt geplant. Azero mahnte, die Kanaren als Ganzes sollten dem Beispiel El Hierros folgen und das Ziel „100% saubere Energie“ ansteuern. Dafür müssten umgehend die Probleme bei der Raumordnung gelöst und private Investitionen gefördert werden. 

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