Cyberangriffe auf sensible Infrastrukturen nehmen zu


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Nationales Institut für Cybersicherheit (Incibe): Um das Siebenfache in zwei Jahren

León – Die Cyberangriffe auf sensible Infrastrukturen – Wärme- und Atomkraftwerke, Wasseraufbereitungsanlagen, Flughäfen und Krankenhäuser unter anderem – nehmen unaufhaltsam zu und zwar schneller, als ursprünglich von der Regierung vorgesehen. Laut dem Nationalen Institut für Cybersicherheit (Incibe) haben sich die Angriffe auf die Betreiber in zwei Jahren versiebenfacht. Im vergangenen Jahr waren es 479, im ersten Quartal dieses Jahres bereits 247. Hält der Trend an, rechnet das Incibe mit über 700 Vorfällen bis zum Jahresende.

Marcos Gómez, Vizedirektor von Incibe, führte im Gespräch mit einer nationalen Zeitung den weltweiten Angriff des Virus WannaCry am 12. Mai an, von dem mehr als 350.000 Behörden, Unternehmen und Privatleute in 180 Ländern betroffen waren. Bereits am Morgen habe die Behörde Alarm geschlagen, nachdem bekannt wurde, dass bei Telefónica „irgendetwas passiere“. Sofort machte sich das zuständige Team im Netz auf die Suche nach Hinweisen, wie beispielsweise entsprechende Absichtserklärungen von Hackern an den Vortagen. Im Laufe des Vormittags bestätigte Telefónica den Angriff, woraufhin Incibe konkrete Empfehlungen versandte, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Es wurden Analysen gemacht und die Ministerien informiert. Mehrere Tage lang beschäftigte sich das Incibe intensiv mit dem Angriff.

Incibe-Generaldirektor Alberto Hernández erklärte, zu den aktuellen globalen Bedrohungen wie Spionage, Terrorismus oder Erpressung seien heutzutage auch die Cyberangriffe  zu zählen. So warnte Innenminister Juan Ignacio Zoido bereits im Dezember, das Problem mit den Cyberattacken sei gravierend, denn diese würden nicht nur der Wirtschaft schaden, sondern auch Menschenleben gefährden. Aus diesem Grund habe die Angelegenheit für die Regierung Priorität.

Nach dem jüngsten Bericht über Nationale Sicherheit werden unter den sensiblen Infrastrukturen am häufigsten die Stromkonzerne attackiert. Dabei werden Viren, Trojaner oder Spyware eingesetzt.

Das Incibe verfolgt sämtliche Angriffe. Auf einem großen Bildschirm werden in Echtzeit alle Attacken auf einer Spanienkarte lokalisiert und festgehalten. Schnell sind zum Tagesende knapp 10.000 angegriffene IP-Adressen allein in Madrid erfasst. Im Institut durchforschen die Experten das Netz nach Ankündigungen von Hackern, legen Fallen und analysieren die Angriffe. Im vergangenen Jahr summierte sich deren Zahl auf über 115.000, im Jahr 2015 waren es noch 60.400. Allgemein haben es die Experten am häufigsten mit bots, ramsonware und E-Mail-Betrugsdelikten zu tun.

Die meisten Kopfschmerzen bereiten ihnen jedoch die Angriffe auf die sensiblen Infrastrukturen. Deren Auswirkungen zeigten sich am 23. Dezember 2015, als im Südosten der Ukraine aufgrund einer Cyberattacke die Stromversorgung zusammenbrach und 600.000 Haushalte stundenlang und in der schlimmsten Winterkälte ohne Strom auskommen mussten.

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