Sinfoniekonzerte des „OST“ am 13. und 20. Mai im Auditorium von Santa Cruz
Claude Debussys Huldigung an das Meer
Meere des Wohlklangs von Weber, Mozart, Schubert und Rachmaninow
Ursprünglich war Maestro Lü Jia, Principal Director Invitado des Sinfonieorchesters von Teneriffa, als Dirigent der Konzerte des OST am 13. und 20. Mai im Auditorium von Santa Cruz vorgesehen.
14.05.2011 - Teneriffa - Nach seiner Absage konnte für den 13. Mai der polnische Maestro Grzegorz Nowak, ehemals Künstlerischer Direktor der Polnischen Nationaloper und des SWR Radioorchesters von Kaiserslautern, verpflichtet werden. Das Konzert am 20. Mai leitet der Österreicher Leopold Hager, langjähriger Chef des Mozarteum Orchesters seiner Geburtsstadt Salzburg.
Konzert 13. Mai
Carl Maria von Webers Ouvertüren haben sich, von der „Freischütz“-Ouvertüre abgesehen, von den dazu gehörenden Bühnenwerken abgetrennt. Das gilt auch für die das Konzert einleitende Ouvertüre zu „Euryanthe“. Die Ritterromantik der „Euryanthe“ ist auf der Bühne heute tot. Aber sie lebt weiter in der Ouvertüre, deren Schwung nur einmal von einem geheimnisvollen Largo-Abschnitt der Streicher in der Mitte des Werks unterbrochen wird. Auch hier spielen thematische Bezüge auf die Oper eine wichtige Rolle, aber für den Hörer bleiben sie irrelevant. Die Oper wurde 1823 in Wien uraufgeführt. Ihre heute noch beliebte Ouvertüre dauert knapp 10 Minuten.
Vier Jahre hatte Wolfgang Amadeus Mozart keine Sinfonie mehr geschrieben, bis er sich 1778 in den berühmten „Concerts spirituels“ dem verwöhnten Publikum von Paris stellte: Die vielen Korrekturen und Umarbeitungen in der Handschrift lassen erkennen, wie intensiv der Komponist an seiner 31. Sinfonie D-Dur KV 297 gearbeitet hatte, um den „richtigen Ton“ zu finden. Er kam dem Publikum sogar so weit entgegen, dass er nach der Uraufführung eine neue Fassung des langsamen Satzes schrieb, weil die erste nicht so gut angekommen war. Die Sinfonie ist alles andere als ein beiläufiges Routinestück im Pariser Zeitgeschmack: In ihr findet Mozart erstmals den Gestus der „großen“ Sinfonie, in der großen Besetzung von Holz- und Blechbläsern ebenso wie in der Anlage der drei Sätze, dem wuchtigen ersten Satz mit seinen grandiosen Steigerungen, dem subtilen, eindringlichen Andantino und dem temperamentvollen Finale.
Claude Debussys „La Mer“, uraufgeführt 1905 in Paris, ist der Höhepunkt von des Komponisten Huldigung an das Meer. Der dreiteilige Zyklus gilt als Debussys orchestrales Hauptwerk. Er überschrieb die Sätze „Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer“, „Spiel der Wellen“ und „Zwiesprache von Wind und Meer“. Bescheiden nannte er sein Meisterwerk „Drei sinfonische Skizzen“. „La Mer“ wurde anfangs vom Publikum nicht verstanden. Es gibt in „La Mer“ keine traditionelle Durchführung, auch keine Tonmalerei im vordergründigen Sinn, die Debussy zutiefst verachtete, sondern Beschwörung mit rein musikalischen Mitteln. Der Musik haftet nichts Aufgesetztes oder plakativ Illustrierendes an. Als Komponist-Kollege Pierre Lalo nach der Uraufführung sagte, er höre, sehe und fühle darin das Meer nicht, so entsprach er damit – unbewusst zwar – voll und ganz Debussys musikalischer Ästhetik. „La Mer“ ist heute der größte Erfolg Debussys im Konzertsaal, seit einhundert Jahren immer eine Herausforderung für Dirigenten, gebannt auf Schallplatten von allen Pultstars seit Arturo Toscanini.
Konzert 20. Mai
In Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert, komponiert 1900/01, wird deutlich, dass es dem damals schon als Pianist berühmten Komponisten um weit mehr ging, als sich lediglich Virtuosen-Konzerte auf den Leib zu schreiben. Zwar hat dieses bekannteste Werk Rachmaninows wegen der unsäglichen Unterhaltungsarrangements einen schweren Stand, wird aber stets seinen Ausnahmerang unter den spätromantischen Solokonzerten behaupten können. Das Gleichgewicht zwischen überlegen disponierter Struktur und dem dunklen, seelenschweren Tonfall grenzt – ohne Übertreibung – an ein Wunder. Jeder der drei Sätze ist um einen emphatischen Höhepunkt herum gebaut, der „mit der größten Natürlichkeit“ erreicht wird, „wie das Klicken und Sprühen eines zerreißenden Zielbandes am Ende eines Rennens“ (Rachmaninow). Zusammen mit der nächtlich-meditativen Haltung des langsamen Satzes und der emotionalen Zusammenfassung im Finale ist sein „Zweites“ das „russischste“ seiner Konzerte, ein Bekenntnis zum schwerblütigen Gefühl. Solistin des Konzerts ist die gerade einmal zwanzigjährige chinesische Pianistin Zuo Zhang, die in den USA lebt. Als Gewinnerin vieler erster Preise, auch beim international bedeutenden „Gina Bachauer“-Klavierwettbewerb, steht sie am Beginn einer großen Karriere.
Franz Schuberts „Große C-Dur-Sinfonie“ D 944 entstand 1825 und wurde erst 1839 uraufgeführt, zwölf Jahre nach dem Tod des Komponisten. Schon die Andante-Einleitung sagt uns, dass wir mit dieser letzten Sinfonie Schuberts in ein neues Reich der Instrumentalmusik eingetreten sind, deren Gesamtstruktur die nun voll eintretende, melodisch strömende, breit dahin flutende Romantik ist. Von dieser Sinfonie aus öffnet sich ein weiter Blick über das 19. Jahrhundert bis zur Epoche Bruckners hin. Franz Schubert war sich seiner Leistung bewusst, aber er hat diese Sinfonie nie gehört. Die Partitur geriet in den Nachlass seines Bruders Ferdinand, aus dem Robert Schumann sie ans Licht zog. Schumann hat auch eine für die damalige Zeit bedeutende Betrachtung über diese Sinfonie mit den „himmlischen Längen“ verfasst. Schumanns nachdrückliche Empfehlungen bewegten schließlich seinen Freund Felix Mendelssohn Bartholdy, die Sinfonie in den berühmten Leipziger Gewandhauskonzerten erstmals aufzuführen.