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Ausgabe: Nr. 219 (22/2014) vom 18. November - 2. Dezember 2014
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Sinfoniekonzert des OST am 23. Mai in Santa Cruz: Werke von Rachmaninow und Nielsen

Schwerblütiges Gefühl, nordisches Temperament

„In meiner Musik versuche ich ständig, so einfach und direkt das zu sagen, was mir am Herzen liegt. Sei es Liebe, Bitterkeit, Trauer oder Religion; diese Gefühle werden Teil meiner Musik…“ Diese Sätze Sergej Rachmaninows, immerhin erst 1941 geschrieben, könnten sein künstlerisches Credo präziser und besser nicht ausdrücken.



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08.05.2008 - Teneriffa - Stets war das geprägt von tief empfundener Seelenkraft und einem uneingeschränkten Bekenntnis zum intakten Gefühl. Aber sie mussten auch provozieren in der Ära der „neuen Sachlichkeit“, wie sie Arnold Schönberg und - ganz anders - Igor Strawinsky damals vertraten. Kein Wunder, dass Rachmaninows Werke als „Filmmusik“ (Strawinsky) abgetan oder als „gefühlvolle Jauche“ (Richard Strauss) verunglimpft wurden.
Gehässigkeiten solcher Art wurden auch durch ihre ständige Wiederholung über Jahrzehnte darum nicht wahrer. Völlig zu Recht zählt das am 23. Mai im Auditorio von Santa Cruz zu hörende 2. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow heute zu den populärsten Werken dieser Gattung überhaupt. Was konnte denn der Komponist dafür, dass gerade dieses Konzert als Einfallslieferant für teils unsägliche Schlagerschnulzen ausgeschlachtet wurde? Spätestens seitdem 1955 Marilyn Monroe in dem Film „Das verflixte siebte Jahr“ zu den Klängen des Mittelsatzes in Rührung und Ergriffenheit erstarrte, trägt Rachmaninow das Stigma des Hollywood-Komponis­ten, obwohl er nie für die Traumfabrik tätig war.
Mit diesem 1900/01 komponierten 2. Klavierkonzert zeigte der 1873 im russischen Gouvernement Nowgorod geborene Rachmaninow, dass es ihm um weit mehr ging, als sich lediglich ein Virtuosenkonzert auf den Leib zu schneidern. Weltruhm als Pianist hatte er da schon erlangt. Dieses Werk machte ihn nun auch als Komponist unsterblich. Das Gleichgewicht zwischen überlegter Struktur und dem dunklen, seelenschweren Tonfall grenzt - ohne Übertreibung - an ein Wunder. Jeder der drei Sätze ist um einen emphatischen Höhepunkt herum gebaut, der mit der „größten Natürlichkeit“ erreicht wird, „wie das Klicken und Sprühen des zerreißenden Zielbandes am Ende eines Rennens“ (Rachmaninow). Zusammen mit der nächtlich-meditativen Haltung des langsamen Satzes und der emotionalen Zusammenfassung im Finale ist es das „russischste“ seiner Konzerte, ein Bekenntnis zum schwerblütigen Gefühl.
Der 1974 im usbekischen Taschkent geborene Pianist Eldar Nebolsin konnte als Klaviersolist des Abends gewonnen werden. Ohne Übertreibung dürfen wir das hier einen Glücksgriff nennen. Rachmaninows „Erstes“ liegt in einer fulminanten Schallplattenaufnahme mit Nebolsin bereits vor und dürfte erst der Anfang hier gewesen sein. Trotz seiner jungen Jahre hat er bereits eine Professur an der Akademie für Kammermusik in Madrid inne. International bekannt wurde er mit knapp Achtzehn als  Sieger des Klavierwettbewerbs von Santander.
Im gleichen Jahr der Entstehung von Rachmaninows 2. Klavierkonzert begann auch der 1865 im dänischen Odense (Fünen) geborene Carl August Nielsen die Niederschrift seiner 2. Sinfonie. Als Generationsgenosse von Sibelius, Mahler und Strauss wuchs er weit über die harmlose Gefälligkeit seines Lehrers Niels Wilhelm Gade hinaus. Nielsen war der Sohn eines Malers und Dorfmusikanten. Im Alter von 14 Jahren trat er in eine Militärkapelle ein, wo er Kornett und Posaune blies. In Kopenhagen studierte er dann Violine und Komposition. Schließlich wurde er Direktor am Königlichen Dänischen Musikkonservatorium und starb dort hoch geehrt im Jahr 1931. Seine Musik ist nicht spezifisch nordisch wie etwa die von Sibelius; dagegen spräche auch seine Begeisterung für den Süden, wie sie sich zuweilen in seinen vielen Werken klangmalerisch ausdrückt. Aber das naturmalerische Element dominiert nicht bei ihm, wie die Titel bezeugen, die er seinen Sinfonien gab. Darin ist er am ehesten dem Ideenmusiker Mahler verwandt. Die im Konzert zu hörende 2. Sinfonie nannte er „Die vier Temperamente“.
Das OST Orquesta Sinfónica de Tenerife leitet an diesem Abend der spanische Maestro Pablo González. Er zählt zu den führenden Dirigenten seines Landes. Nach seiner Tätigkeit beim London Symphony Orchestra formte er das Or-questa Ciudad de Granada zu einem der besten Klangkörper Spaniens. Des Dänen Nielsen Begeisterung für den Süden, - unter Pablo Gonzáles’ Stabführung wird sie in seiner 2. Sinfonie temperamentvoll erklingen.

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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