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Ausgabe: Nr. 217 (20/2014) vom 22. Oktober - 4. November 2014
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Brahms im Mittelpunkt der Konzerte des “OST” am 27. April und 4. Mai

Des Meisters Misere mit Hose und Hemd

Drei Werke von Johannes Brahms stehen im Mittelpunkt der nächsten Konzerte des OST - Orquesta Sinfónica de Tenerife im Auditorium von Santa Cruz: Am 27. April leitet Ehrendirigent Victor Pablo Pérez einen Brahms-Abend mit des Meisters 3. Sinfonie und Violinkonzert.



Das Symphonieorchester von Teneriffa mit dem Dirigenten Víctor Pablo.
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Das Symphonieorchester von Teneriffa mit dem Dirigenten Víctor Pablo.
27.04.2007 - Teneriffa - Solist ist der jüngst mit Klassikpreisen geradezu überhäufte Daniel Hope. Am 4. Mai wird der britische Pultstar James Judd Brahms’ 4. Sinfonie leiten, dazu die Manfred-Ouvertüre von Robert Schumann und das 1. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow. Zu diesem  op. 1 des damals jugendlichen Russen aus dem Jahr 1891 vermerkt Reclams Konzertführer lapidar: “ist bei uns nie zu hören.” Rachmaninow aber wusste um die grandiose Frische seines ersten Geniestreichs und arbeitete das Werk als reifer Komponist 1917 um. Der in Rio de Janeiro geborene Pianist Jean Louis Steuerman, Gewinner des Bach-Wettbewerbs 1972 in Leipzig, wird diese unbedingt hörenswerte Musik als Klaviersolist interpretieren.       

Drei Brahms-Meisterwerke binnen Wochenfrist

Sprechen wir zunächst von Johannes Brahms’ letzter Sinfonie, seiner Vierten, hier  zu hören unter der Stabführung von James Judd am 4. Mai. Am 7. März 1897 besuchte Brahms das letzte Mal ein Konzert in Wien. Es wurde unter anderem diese Sinfonie gespielt. Der Schriftsteller Richard Specht erinnert sich:”Hans Richter führt die Vierte Sinfonie auf und macht in einer vollendeten monumentalen Wiedergabe die erste, lieblose und nachlässige Aufführung in Wien wieder gut. Das Publikum tobt vor Begeisterung. Aber da Richter nach der Loge zeigt, in der man jetzt erst den todblassen Brahms entdeckt, bricht ein Orkan los, der sich nach jedem Satz steigert; es ist ein betäubendes Rufen, Schreien, Klatschen, die Leute steigen auf die Sitze, um die Leidensgestalt des an Krebs erkrankten Meisters besser zu sehen, man winkt ihm mit Tüchern und Hüten zu, immer wieder muss er an die Logenbrüstung treten, und am Schluss will der gewaltige Jubel überhaupt kein Ende mehr nehmen – die Menschen unten wissen, sie sehen Brahms zum letzten Mal, und Brahms weiß es auch.”
Es war wohl der größte Triumph, den der 1833 in Hamburg geborene Komponist an diesem Abend in Wien erlebte, wo er von 1872 bis zu seinem Tode am 3. April 1897 in der Karlsgasse 4 wohnte. Wenn die 3. Sinfonie als ein Werk der gedrängtesten Form und der persönlichsten Aussage das Orchesterschaffen von Brahms überragt, so wahrt doch die 4. Sinfonie ihren Sonderrang als Schöpfung größter kompositorischer Weisheit und verzehrender  menschlicher Leidenschaft. Zwischen 1.und 3. Satz entsteht das träumerische Wunder einer Art Romanze, die besonders in dem zweiten, vom Cello angestimmten Thema noch einmal die ganze Seligkeit Brahmsschen Welt- und Naturempfindens aufleuchten läßt. “Krone” der Sinfonie ist der 4. Satz, das Finale, eine Passacaglia von fast niederschmetternder Gewalt. Brahms entnahm das achttaktige Passacaglia-Thema leicht verändert der Kantate “Nach dir, mein Herr, verlanget mich” von Johann Sebastian Bach, bezeichnend für die archaische Prägung des ganzen Werks. In nicht weniger als 31 Variationen wird das Thema in unerschöpflichem Reichtum an Gestaltungsformen überbaut. Im letzten Teil des Satzes weist ein Einwurf der Posaunen voraus auf die Stelle aus Brahms’ “Vier ernsten Gesängen” - “O Tod, wie bitter bist du.” Dieser vehemente Einbruch führt in unerbittlicher Dramatisierung und Intensivierung, die katastrophische Züge annimmt, zum Sinfonieschluss, einem der düstersten aller sinfonischen Literatur überhaupt.
Ganz anders kommt Brahms’ 3. Sinfonie (zu hören am 27. April, Dirigent Victor Pablo Pérez) daher, die seit der Uraufführung 1883 durch die Wiener Philharmoniker unter Hans Richter zum Publikumsliebling unter den Brahms-Sinfonien wurde. Zu den frühen Bewunderern des Werks gehörte der Komponist Antonin Dvorak. In einem Brief an den Verleger Fritz Simrock betonte er, dieses Werk übertreffe die beiden vorangegangenen Sinfonien an Schönheit: “Es ist eine Stimmung darin, wie man sie bei Brahms nicht oft  findet! Welch herrliche Melodien sind da zu finden! Es ist lauter Liebe, und das Herz geht einem dabei auf. Denken Sie an meine Worte, und wenn Sie die Sinfonie hören, werden Sie sagen, dass ich gut gehört habe.” In ihrer formalen Zucht, ihrer Knappheit, ihrer melodischen Energie ist die “Dritte” von Johannes Brahms eine sein Schaffen eigenartig resümierende und krönende Leistung.
Brahms’ Violinkonzert ist eines der meistgespielten Werke im klassischen Repertoire der großen Geiger sowie gewiss die bedeutendste Schöpfung seit Beethovens Violinkonzert, mit dem es auch die Tonart D-Dur gemein hat. Dieses Meisterwerk ist eine schöpferische Frucht der langjährigen Freundschaft des Komponisten mit dem Geiger Joseph Joachim. Dieser war es auch, der Brahms Ratschläge bezüglich der geigentechnischen Spielbarkeit gab. Heute wird kaum noch daran gedacht, dass dieses Violinkonzert einst als technisch kaum zu bewältigende Aufgabe galt, der neben Joseph Joachim wenige Geigenvirtuosen gewachsen waren. Daniel Hope als  Solist des Konzertabends am 27. April im Auditorium von Santa Cruz (und am 26. April im Magma Arte & Congresos Costa Adeje) wird damit keine Probleme haben. Mit Macht zieht dieser  junge Ausnahmekünstler die Aufmerksamkeit der Musikwelt trotz  starker Fraktion der Geigen-Girlies nun auf sich. Wir verweisen hier auf unser Interview mit Daniel Hope, das Sie in dieser Wochenblatt-Ausgabe lesen können. Dieses Violinkonzert ist kein Virtuosenkonzert, so groß auch die spieltechnischen Schwierigkeiten sein mögen. Es gibt keine geigerischen Effekte um ihrer selbst willen. Sein Anspruch ist sinfonisch. Der Ausspruch von Brahms, in Kärnten, wo das Werk 1878 während seines Sommerurlaubs entstand, flögen die Melodien nur so herum, man müsse sich hüten, keine zu zertreten, passt darauf wie angemessen. Das Konzert ist insgesamt ein wahrer Hit, so melodienreich und geigerisch wie es ist. Es verfügt über eine unglaubliche Dichte, wo alles in einer Weise miteinander verwoben ist, wie man es bis dahin von einem Violinkonzert nicht kannte. Kritik seitens reiner Virtuosen gab es natürlich. So meinte der große Pablo de Sarasate nach der Uraufführung am Neujahrstag 1879 im Leipziger Gewandhaus, man möge ihn doch nicht für so geschmacklos halten, mit der Geige in der Hand dazustehen und zuzuhören, wie die Oboe die einzige Melodie des Stücks vortrage! Gemeint war der Anfang des Adagios im 2. Satz. Und Brahms selbst war an diesem Abend auch alles andere als gelassen. Durch einen Besuch war er gehindert gewesen, sich rechtzeitig umzuziehen und stiefelte mit Frack und grauer Straßenhose auf das Podium. Er hatte von der Hose, - er wollte ja die Frackhose anziehen - schon die Hosenträger abgeknöpft, jedoch vergessen, sie wieder anzuknöpfen. Also stand er mit rutschender Hose und herausquellendem Hemd vor Musikern und Publikum, was sicher eine feine Voraussetzung für das Gelingen des Konzerts gewesen sein muss. Trotz dieser Misere bei der Uraufführung hat sich das Werk sehr schnell durchgesetzt.

Hans Rueda

Den Autor erreichen Sie unter hans.rueda@wochenblatt.es






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