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Ausgabe: Nr. 213 (16/2014) vom 20. August - 2. September 2014
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Zwei spannende Konzertprogramme am 9. und 16. März im Auditorio de Tenerife

Klassik-Hits des 20. Jahrhunderts für Jung und Alt

Späte Meisterwerke jeweils, Max Regers Variationen über ein Thema von Mozart (1914), und Paul Hindemiths Orgelkonzert (1962), stehen am 9. März auf dem Programm des OST - Orchesta Sinfónica de Tenerife unter der Leitung des Wiener Dirigenten Martin Haselböck.



08.03.2007 - Teneriffa - Orgelsolist ist der Südafrikaner Jeremy Joseph. Am 16. März spielt das Jugendorchester  JOT - Joven Orchesta de Tenerife, geleitet von dem Valencianer José Luis Castillo, auch für junge Leute  attraktive Klassikwerke, u.a. Darius Milhauds jazzige Ballettmusik „Die Schöpfung der Welt“ (1923) und Maurice Ravels „Meine Mutter Gans - 5 Kinderstücke“ (1908). Ganz gewiss zählen diese vier so unterschiedlichen Werke aber zu den bleibenden „Klassik-Hits“ des 20. Jahrhunderts. Ergänzt wird das Konzertprogramm des 16. März mit Mozarts Konzertanter Sinfonie KV 297b und der 2. Suite für kleines Orchester von Igor Strawinsky aus dem Jahr 1925.

Hindemith –
Concerto for Organ and Orchestra

Paul Hindemith war in jungen Jahren ein rechter Bürgerschreck. Geboren 1895 in Hanau, studierte er in Frankfurt Komposition und musizierte auch gern in den Kaffeehäusern und Stummfilmkinos damals am Main. Bereits 1915 wurde er Konzertmeister an der Frankfurter Oper. Souverän und gekonnt zeigte er sich der Welt damals schon in seinen ersten kammermusikalischen Werken als genialer Komponist, wenn auch provokant bis an die Grenzen der Tonalität gehend. Zum Skandal kam es bei seinen berüchtigten drei Operneinaktern der 20er Jahre. Im 3. Stück, „Sancta Susanna“ von August Stamm, reißt eine Nonne in mystischer Inbrunst der Statue des Gekreuzigten das Lendentuch herunter und wird zur Strafe dafür lebendig eingemauert. Später versetzte Hindemith sogar Hitler in Rage, wenn auch nicht wegen der dem Eros verfallenen Nonne, sondern mit einer Arie in der Badewanne aus seiner lustigen Oper „Neues vom Tage“. Nach 1933 war es denn auch in Deutschland bald aus mit ihm. Die Anfeindungen der Nazis gegen ihn wurden immer heftiger und gipfelten schließlich im Verbot seiner Oper „Mathis der Maler“ an der Berliner Staatsoper. Hindemith emigrierte zunächst in die Türkei, die Schweiz, und 1940 dann in die USA. Anfang der 50er Jahre kehrte er zurück, zunächst als Ordinarius an die Universität Zürich. Danach konzentrierte er sich nur noch auf sein Dirigieren und Komponieren. Paul Hindemith starb am 28. Dezember 1963 in Frankfurt als vorerst letzter deutscher Komponist von Universalität und Weltgeltung seit Richard Strauss.
Aufgrund eines Kompositionsauftrags der New Yorker Philharmonic Society, was auch die englische Schreibweise von Titel und Sätzen des Werkes erklärt, hat Paul Hindemith als letztes Instrumentalwerk sein Orgelkonzert von 1962 geschaffen. Nach der von Hindemith selbst dirigierten Uraufführung mit dem Wiener Anton Heiller als Orgelsolist am 25. April 1963 in New York, wurde es am 10. November 1963 erstmals in Wien aufgeführt. Dieses philharmonische Konzert war gleichzeitig das letzte öffentliche Auftreten des Dirigenten Paul Hindemith. Das Orgelkonzert war auf Anregung von Anton Heiller entstanden, auf dessen Fähigkeiten und Neigungen dieses Stück auch zugeschnitten ist. Es ist ein viersätziges Werk, bei dem trotz extremer Auslotung der Gegensätze dennoch Hindemiths „wohlgeordnete Elemente seiner musikalischen Sprache“ auch hier zum Tragen kommen. Unnachahmlich, wie der gregorianische Pfingsthymnus, nachdem seine charakteristische Melodik schon die Themen der drei vorangegangenen Sätze geprägt hatte, in sechs Variationen nach der Manier der alten Choralphantasie behandelt wird.
Der Wiener Martin Haselböck, diesmal Dirigent der Aufführung im Auditorio, ist selbst weltberühmter Organist. Er hat dieses Werk oft und auch für die Schallplatte als Orgelsolist eingespielt. Der Orgelsolist des Konzerts am 9. März, Jeremy Joseph, ist einer der hervorragendsten Vertreter seiner jungen Generation, der nahezu alle wichtigen Wettbewerbspreise gewonnen hat. Er lebt und arbeitet heute als Organist und Cembalist an der Wiener Akademie. Höchste Authentizität und Niveau der Aufführung scheinen somit vorgegeben.

Reger –
Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132

Max Reger wurde 1873 in Brand im bayerischen Fichtelgebirge geboren. Er wuchs in Weiden in der Oberpfalz auf und hatte das Glück, in dem dortigen Organisten einen verständnisvollen Förderer zu finden. Um 1900 entstanden Regers frühe Orgelwerke, die sein chaotisches Inneres widerspiegeln. Über München, wo er als Lehrer für Komposition und Orgel wirkte, kam er 1907 an das Leipziger Konservatorium. Von dort ging er 1911 als Hofkapellmeister der berühmten herzoglichen Kapelle nach Meiningen. Kurz nachdem er dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen 1914 niedergelegt hatte, entstanden nach einem Kuraufenthalt bei Meran seine Variationen über Mozarts wundervolles Thema aus der A-Dur-Klaviersonate KV 331. Sie sind Regers berühmtestes, und neben den Hiller-Variationen auch bedeutendstes Orchesterwerk. Es besteht aus Thema, acht Variationen und einer alles überkrönenden Doppelfuge. Wenn in der Doppelfuge in den Trompeten der Wiedereintritt des Mozart-Themas erfolgt, erweisen sich gnadenlos die Qualitäten von Orchester und Dirigent. Leicht kann es einfach vulgär und populistisch geraten, schwer erträglich für Hörer mit Geschmack. Welchen Kosmos der Ornamentation, Transformation und endlich gar Fragmentation Reger hier aufbietet, bis die Wiederkehr des Mozart-Themas in der Doppelfuge wie der willkommene Bogen zum Ausgang erscheint, ist geradezu artistisch. Mit dieser Beherrschung kontrapunktischer Künste wurde Reger zum Wegbereiter für den Neobarock und Neoklassizismus der 20er und 30er Jahre, der dann in Hindemith seinen bedeutendsten  Vertreter fand. Max Reger starb in einem Leipziger Hotelzimmer am 11. Mai 1916 auf der Höhe seines künstlerischen Schaffens im Alter von nur 43 Jahren.

Ravel –
Ma Mère l’Oye: 5 pièces enfantines / Meine Mutter Gans: 5 Kinderstücke

Maurice Ravel wurde 1875 in Ciboure bei St-Jean-de-Luz (Dép. Pyrénées Atlantiques, Frankreich) geboren. Wenige Monate später zog die Familie nach Paris um. Alle Biographen Ravels beklagen seine Rätselhaftigkeit und seine Verschlossenheit. Er selbst sagte dazu einmal: „Ich bin Baske. Die Basken empfinden ungeheuer tief, vertrauen sich aber nur selten und nur einigen wenigen Menschen an.“ Von Kind auf war er anders, nicht nur wegen seiner musikalischen Begabung und körperlichen Defizite. Der kleine und schwächliche Ravel, - als Erwachsener war er 1,58 m groß und wog dabei 48 kg! -, hatte einen für diesen Körper viel zu großen Kopf, leicht schon Wasserkopf zu nennen. Wettzumachen suchte er diesen vermeintlichen Mangel durch übertrieben sorgfältige Kleidung. Über alles liebte er dazu die Welt der Puppen, der Spielzeugautomaten und jede Form der künstlerischen Maskierung, hinter der er seine verletzliche Seele verbarg. Im Zeitalter postmoderner Beliebigkeit wirken seine Stilanverwandlungen verblüffend modern.
Ravel hat Kinder sehr gemocht, vielleicht weil er immer auf der Suche nach dieser unverbildeten Einfachheit war, die Kindern eigen ist. Sein „Bolero“ zählt zu den berühmtesten Musikwerken des 20. Jahrhunderts. Und da sind wir bei dem Thema, das in der Musik Ravels eine große Rolle spielt, seine fast naive Kindlichkeit, die ihm sein Leben lang blieb. Wer außer Ravel vermochte je ein Werk von solch wundervoll kindlicher Kreativität und universeller Einfachheit wie den „Bolero“ zu schaffen? „Hilfe, ein Verrückter!“ rief eine Frau bei der Uraufführung dieses gleichwohl sofortigen Welterfolgs aus. „Die hat´s kapiert!“ meinte trocken dazu Ravel. Ein besonders anrührendes Ergebnis seiner Suche nach musikalischer Vollendung auch in der Kinderwelt gelang Ravel 1908 mit seinem Zyklus von Kinderstücken „Meine Mutter Gans“ nach den Märchen von Charles Perraut. Damit verlieh er seiner erklärten Liebe für den von Märchen und Tiergestalten bevölkerten kindlichen Vorstellungsbereich musikalisch unvergänglich Ausdruck. Aus den Sammlungen Perrauts wählte Ravel eine Reihe klassischer Märchenmotive aus, wie „Mutter Gans“ sie gern zu erzählen pflegte: etwa Dornröschen als Tänzerin einer gravitätischen Pavane, die vergebliche Suche des Kleinen Däumlings nach dem Heimweg, dargestellt durch abrupte Richtungsveränderungen, usw.
Es bleibt Ravels Geheimnis, wie er alle Nachahmungen und Anleihen seiner Musik in etwas so Perfektes verwandelte, dass es wieder den Anschein des Natürlichen gewann und zugleich unverwechselbarer Ravel war. 1933 traten bei ihm die Symptome eines merkwürdigen Leidens auf, das zu Bewegungsausfällen und teilweisem Gedächtnisverlust bei vollständig erhaltenem Bewusstsein führte. Am 28. Dezember 1937 starb Ravel an den Folgen einer  Gehirnoperation, ähnlich wie der   von ihm bewunderte George Gershwin.

Milhaud –
La Création du Monde – Die Schöpfung der Welt
Nach erstem Musikunterricht in seiner Heimatstadt studierte der 1892 in Aix-en-Provence geborene Darius Milhaud am Pariser Konservatorium. Ab 1911 arbeitete er eng mit Paul Claudel zusammen. 1917/18 war Claudel französischer Botschafter in Brasilien, und Milhaud ging mit ihm als Attaché nach Rio de Janeiro. Mit seiner Ballettmusik „Die Schöpfung der Welt“ gelang ihm 1923 ein zeitlos gültiges Meisterwerk. Den fünf Teilen der Handlung entsprechen ebenso viele musikalische Abschnitte, die, obwohl unmittelbar ineinander übergehend, thematisch individuell ausgeprägt sind: Saxophon solo, I - Chaos vor der Schöpfung, II - Erweckung von Pflanzen und Tieren, III -Erweckung der Menschen, IV - Orgiastischer Tanz der beiden Menschen, V - Beruhigung, Entspannung. Es wird Frühling.
Während eines Aufenthaltes in New York 1922 besuchte Milhaud das Schwarzenviertel Harlem, wo er authentische Jazzmusik hörte, die er als „Offenbarung“ empfand. Als er dann in Paris gebeten wurde, die Musik zu einem afrikanischen Ballett zu komponieren, benutzte er die Gelegenheit, um Blues, Ragtime und andere Jazzelemente in die Musik einzubeziehen. So entstand dieses frühe Meisterwerk des sinfonischen Jazz - ein Jahr vor Gershwins „Rhapsody in Blue“. Als Jude musste Darius Milhaud von 1940 – 1947 in die USA emigrieren. Nach seiner Rückkehr wurde er als eine der bedeutendsten französischen Musikpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts vielfach geehrt. Er starb am 22. Juni 1974 in Genf.

Hans Rueda

Den Autor erreichen Sie unter hans.rueda@wochenblatt.es






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