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Ausgabe: Nr. 213 (16/2014) vom 20. August - 2. September 2014
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Anton Bruckners Meisterwerk am 3. März im Auditorio – Eliahu Inbal dirigiert 5. Sinfonie

„Nicht um 1000 Gulden möchte ich das nochmals schreiben“

Anton Bruckner war Lektor für Musiktheorie an der Wiener Universität geworden und hatte wohl den Ehrgeiz, ein besonderes Werk vorzulegen, das seiner Tätigkeit entsprechen konnte. In einem zweieinhalbjährigen Kraftakt entstand so seine 5. Sinfonie, die er im Januar 1878 schließlich vollendete.



22.02.2007 - Teneriffa - In einem Brief an seinen Schüler Josef Vockner berichtet er über die große Anstrengung, - „nicht um 1000 Gulden möchte ich das nochmals schreiben“.
Bruckner selbst nannte die 5. Sinfonie sein „kontrapunktisches Meisterwerk“, und damit untertreibt er ziemlich. Er muss gewusst haben, dass ihm hier ein Wurf gelungen war, der einmalig ist. Ob man Bruckner besonders mag oder nicht: vor der Architektur dieser Sinfonie kann man nur in die Knie gehen. Drei Sätze - und was für welche! - leistet er sich, um einen gewaltigen vierten darauf aufzubauen, der alle Themen nicht nur noch einmal beinhaltet, sondern sie kontrapunktisch miteinander zu einem riesigen Gebäude verwebt. Seine Kunst spottet hier jeder Beschreibung. Hier wird der Kontrapunkt zuschanden vor der Schönheit des Klangs, seine Künste sind hier nicht Selbstzweck, sie dienen dem Genie Anton Bruckner zur Aussprache des Höchsten. Der letzte Satz weist Steigerungen auf, die vor Bruckner noch kein Meister geschrieben hat. Wenn mit einem langen Orgelpunkt der Satz die Höhe erreicht hat, senkt der Chor der Blechbläser in das Gewoge des Orchesters dann den Choral. Unbeschreiblich. Die Wirkung, insbesondere in der Choral-Apotheose, ist denn auch überwältigend. Selbst der Nicht-Religiöse mag dann vielleicht ahnen, dass ein solches Werk ohne Bruckners unerschütterliche Glaubensgewissheit, die ihm selbst in verzweiflungsvoller Situation immer wieder Kraft gab, nicht hätte entstehen können.
Verzweiflungsvoll war Brukkners Lebenslage auch zur Entstehungszeit seiner Fünften, der „Choral-Sinfonie“. Schulden plagten ihn und Lebensunlust, als er im März 1875 an seinen Freund Moritz von Mayfeld schrieb: „Ich habe nur das Conservatorium, wovon man unmöglich leben kann, musste schon im September und später wieder Geld aufnehmen, wenn es mir nicht beliebte, zu verhungern“. Gleichwohl komponierte er ein auch nicht ansatzweise wehleidig klingendes, ein in die Zukunft blickendes Werk. Wie weit dieses unter allen neun Bruckner-Sinfonien gleichsam intellektuellste, durchkonstruierteste Werk seiner Zeit voraus war, zeigt sich schon daran, dass die 5. Sinfonie zunächst keine Aufführung fand.
Nur einige junge Musikstudenten, unter ihnen auch Gustav Mahler, hatten sich damals um den Meister aus dem oberösterreichischen Linz geschart und ahnten wohl seine Größe. Mahler bezeichnete sich später gar als dessen „erster Propagandist“. Wie Bruckner gelangte auch Mahler als Komponist erst nach seinem Tode zu Weltruhm. Sein durchaus selbstbewusster Ausspruch, er brauche bei seiner eigenen Unsterblichkeit schließlich nicht dabei zu sein, stammte am Ende vielleicht auch von Bruckner. Wir wissen es nicht. Was wir aber beim Hören von Bruckners Fünfter genau wissen, ist, dass Mahler vom dritten Satz darin „geklaut“ hat wie ein Rabe. Der ganze dritte Satz ist quasi eine einzige „Mahler-Stelle“ - und unglaublich schön.
Bis zur Uraufführung blieb Bruckners Fünfte 15 Jahre in der Schublade, was möglicherweise ein Glück war: so konnten keine Freunde ihm hineinreden. Was jedoch als seine 5. Sinfonie 1894 uraufgeführt wurde, war eine regelrechte Verstümmelung durch den Dirigenten Franz Schalk, der viele Takte strich und eigene kompositorische Einfälle beisteuerte. Die von Schalks Eingriffen gereinigte Fassung wurde erst 1935 von den Münchner Philharmonikern unter Siegmund von Hausegger mit ungeheurem Erfolg das erste Mal aufgeführt - das verdient also erst den Namen „Uraufführung“.

Am Pult steht einer der wenigen, wirklich bedeutenden Bruckner-Dirigenten unseres Zeitalters

Die Aufführung von Bruckners Fünfter am 3. März durch das OST - Orchesta Sinfónica de Tenerife steht unter einem guten Stern: am Pult steht einer der wenigen, wirklich bedeutenden Bruckner-Dirigenten unseres Zeitalters: Eliahu Inbal. Der 1936 in Jerusalem geborene Maestro war langjährig Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters und leitet seit 2002 als Chefdirigent das Berliner Sinfonie-Orchester. Seine Schallplatten-Einspielungen auch aller Bruckner- und Mahler-Sinfonien sind preisgekrönt (Grand Prix du Disque). Bruckner klingt - meinen wir - und bewegt nur, wenn der Dirigent bis zur letzten Sekunde die Zügel besonders fest in der Hand hält. Bruckner ist der Meister der Steigerung schlechthin: die Kraft und der Atem, den das erfordert, dieses Warten, noch einen Takt und noch einen, und es geht immer noch einer mehr, dieses „Volle-Kraft-Voraus-Aber-Immer-Mit-Einem-Bein-Auf-Der-Bremse-Stehen“, ergibt (wenn ein Orchester es so spielen kann) die verhalten vorwärts treibende typische Bruckner-Dynamik. Da können manche Leute nach dem Schlussakkord eigentlich nichts anderes  als laut zu schreien, denn das muss einfach heraus. Und genau das passiert ja immer wieder bei guten Bruckner-Aufführungen, speziell bei der Fünften.
                                                                                                                                   Hans Rueda

Den Autor erreichen Sie unter hans.rueda@wochenblatt.es

Kartentelefon: 902 317 327
Eintrittspreise 13 / 16 / 19 und 23 Euro
Konzertbeginn: 20.30 Uhr, diesmal Samstag! 3. März







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