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Ausgabe: Nr. 211 (14/2014) vom 16. Juli - 5. August 2014
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Selbstversuch Spanien

Sag' mir, wo die Euro sind

Der beliebte Reisejournalist Andreas Drouve berichtet aus seiner Wahlheimat. Spanische Momentaufnahmen, satirisch verdichtete Essays, skurrile Geschichten und Reportagen. Er schreckt vor keinem Tabu zurück und ist niemandem verpflichtet, keinem Stierzuchtbetrieb, keiner Partei, keiner Fluglinie, nicht einmal dem guten Geschmack. Was als Online-Kolumne begann (www.selbstversuch-spanien. de), erscheint im April 2012 als reich bebilderter Farbband: „Selbstversuch Spanien. Was mir in 52 Wochen alles vor die Hörner geriet“. Seien Sie dabei, wenn Spaniens Wirklichkeit die Klischees übertrifft!



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28.01.2012 - Spanien - Die Geldverschwendungsmaschinerie läuft auch in Spanien wie geschmiert. Dazu einige Beispiele, die nicht nur Bänker betreffen. Politiker sind eine eigene Folge wert

Es bereitet stets Freude, sich auf anderer Leute Kosten zu bedienen, was natürlich kein rein spanisches Phänomen, aber dank der Beziehungstentakel im Land außergewöhnlich ausgeprägt ist und Traditionspflege genießt. Seil-schaften aus Politik, Wirtschaft, Banken, Justiz, Monarchie, Journalisten, Ehrentitelträgern und Kirchenvertretern samt christlicher Mafia Opus Dei – irgendwie scheint alles miteinander verknüpft. In Verbindung mit Übermut und einem grenzenlosen Vertrauen, den Gesetzesschlingen im Fall der Fälle entwischen zu können, wuchs auch in Spanien lange ein explosives Gemisch heran, das vielerorts die Kassen sprengte.
Dass die Kluft zwischen abgehobener Klasse und weitgehend unmündiger Masse einst in den 1930er Jahren zum Auslöserpotenzial des Spanischen Bürgerkriegs zählte, war längst vergessen. Unter dem Deckmantel der Ge-meinnützigkeit erwiesen sich Non-Profit-Organisationen plötzlich als äußerst profitabel, über Scheinfirmen wurden Gelder nach Lateinamerika geschafft, die Zahl falscher Rechnungen war sogar für überforderte Steuerfahnder kaum mehr zu zählen. Das Übliche also. Kein Wunder, dass die Nachfrage nach elitären Treffpunkten die Zahl der Spitzenrestaurants in Spanien sprunghaft ansteigen ließ. Und je größer die Abzocke, desto größer das Boot. Treffende Einblicke gibt der Hafen von Puerto Banús bei Marbella: Protzjacht an Protzjacht, ein Schaufenster der Statussymbole und unverändert ein nettes Ausflugsziel in Andalusien ...
Die Bedienung aus fremden Schatullen durchzieht alle Gesellschaftsebenen und hat Mitglieder des Königshauses ebenso erfasst wie die Angestellten der Radio- und Fernsehanstalt von Kastilien-La Mancha. Dort ging selbst auf dem Konto des Gärtners ein wundersamer Monatslohn von 6.000 Euro ein. Bedauerlich aus Sicht der Betroffenen ist, dass trotz aller Geheimhaltungsmühen manche Eisbergspitze an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Man müsste es in Zukunft halt besser geheim halten.
Inmitten der Selbstbedienungsmentalität gebührt Spaniens Politikern selbstredend ein Ehrenplatz und eine Sonderepisode nächste Woche, doch Bänker stehen ihnen mit dubiosen Praktiken und Gehältern in nichts nach. Mancher Sparkassenchef sprach sich in Eigenspendierlaune einen generösen Mietkostenzuschuss in Höhe von mehreren tausend Euro pro Monat zu, obwohl er vor Ort Hausbesitzer war. Als juristisch schwer anfechtbar gelten weitere Peanuts-Vorteile, die sich Finanzverantwortliche in einem Land, in dem Durchschnittsverdiener mit einem Tausender im Monat glücklich sind, vor drohender Zahlungsunfähigkeit ihrer Sparkassen, anstehenden Fusionen oder sonstwie gewährten: Abfindungen in Millionenhöhe, Entschädigungen, Lebensversicherungen, Pensionen.
Umso lauter erschallten in der Folge die Rufe der angeschlagenen Geldvernichtungsinstitute nach Unterstützung durch die öffentliche Hand – international selbstverständlich nichts Neues, aber mit landeseigenen Nuancen. Das Beispiel eines gewissen Manuel E., Exchef der Caja Segovia, der seinen Gang in den Vorruhestand von sechs Millionen Euro begleitet sah, um Monate darauf den Unruhestand mit der Gründung einer Immobilienfirma zu been-den, mag eher gewöhnlich klingen.
Miguel C. hingegen, vormals Pfarrer und später dann Bankvorstand (allein das eine bemerkenswerte Karriere), gelang das Kunststück, vor seinem Ausscheiden aus der Cajasur eine Jahresrente in respektabler sechsstelliger Höhe absegnen zu lassen, die im Falle seines Ablebens auf seine Schwestern überging, bis die letzte derer vier ihren Atem aushauchte. Die Damen waren älteren Baujahrs, aber dem Vernehmen nach ziemlich rüstig.
Für Geldmanager vom Schlage Manuels und Miguels wurden während ihrer Aktivzeit vom Sekretariat oft drei Rückflüge in der Business Class gebucht. Selbe Person, selber Tag. Das Ende des jeweiligen Meetings war nicht ab-sehbar, so stand man mit der Auswahl auf der sicheren Seite. Überdies gab es Lustreisen, wie man sie aus Deutschland als Lohn für verdiente Konzern- und Versicherungsvertreter kennt. Nachweislich bodenständig bei der Lust blieb Pedro F., kein Bänker, sondern in leitender Funktion bei der Sociedad General de Autores y Editores angestellt, einer urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaft, die viele Gelder einnahm, aber nicht alle an die Berechtig-ten weitergab.
Den Arbeitstag in Madrid beschloss Pedro gerne mit Investitionen ins Manneswohl. In Etablissements der Hauptstadt ging er der Entspannungstherapie nach, die für eine Verweildauer von mehreren Stunden zwischen 7.800 und 9.500 Euro kostete und den Rückschluss zuließ, dass die Freuden in den Häusern groß und intensiv gewesen sein mussten. Seine Schuld beglich er artig mit Kreditkarte, allerdings nicht mit der eigenen, sondern der seines Arbeitgebers.
Als die von ihm teils mit »Autorsex« unterzeichneten Besuche herauskamen, rechtfertigte er sich mit den Worten: »Ich hatte Depressionen.« Die Frage, ob auch die Benutzung von Kreditkarten anderer therapierbar ist, dürfte Psychologen vor neue Herausforderungen stellen.
Sag' mir, wo die Euro sind. Im Zweifelsfall im Eroscenter.

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