04.02.2010 - - Betrifft: Ihren Bericht aus dem letzten Wochenblatt – Intendantin wirbt für Umgestaltung und Qualität – Musikfestival sucht nach neuen Wegen. Das ist uns bzw. mir im Auditorium passiert: Am 15. Januar kam ich aus der Kälte Deutschlands wieder in meine zweite Heimat Teneriffa zurück. Im Wochenblatt las ich die wie immer gut von Hans Rueda beschriebenen Vorschauen auf Konzerte im Auditorium. So wollten wir uns das London Philharmonie Orchester am 20. und 21. Januar anhören. Ich wollte am 20. Januar an der Abendkasse eine Karte für mich kaufen. Es wurden mir nur Karten für 70 bzw. 85 Euro angeboten. Auf meine Nachfrage nach preiswerten Karten wurde mir gesagt, dass es nur noch diese Preisklasse gäbe. Auf meine Nachfrage, dass es früher für ältere Menschen immer einen Preisnachlass gegeben hat wurde mir gesagt, das gibt es nicht mehr. Auch für das nächste Konzert am 21. Januar sollte es nur noch Karten für 70/85 Euro geben. Da ich schon einmal da war und mich für das London Orchester interessierte, kaufte ich mir eine Karte für 70 Euro. Im Zuschauersaal im Auditorium musste ich dann feststellen, dass es nur zu 80 % besetzt war. Es gab viele freie Plätze. In meiner Reihe 19 waren von den 29 Sitzplätzen nur acht besetzt. Im oberen hinteren Bereich waren mehrere Reihen gar nicht besetzt. In der Pause habe ich mich nach oben gesetzt und hatte einen guten Überblick über die nicht besetzten Plätze. Man hat mir also ganz bewusst die teuren Karten angeboten. An der Abendkasse war ein großes Schild sichtbar: 40 Minuten vor Beginn der Veranstaltung werden für junge Menschen unter 30 Jahren Lastminute-Karten für sieben Euro angeboten. Ich habe keine jungen Besucher dort gesehen, die gehen für die sieben Euro lieber in die Disco und trinken dort Coca Cola und amüsieren sich dort den ganzen Abend. So schwere klassische russische Musik ist für sie unverständlich. Das Publikum war über 40 bis ins hohe Alter wie ich. Wenn das also die neue Politik des Managements für die Veranstaltungen im Auditorium für die Zukunft sein soll, wie von der neuen Intendantin Candelaria Rodríguez Afonso angekündigt wurde, wobei aber die Qualität um jeden Preis erhalten werden soll, da brauchen sich die Veranstalter nicht zu wundern, wenn in Zukunft die Zuschauerreihen noch leerer werden. Wenn man an der Abendkasse die preiswerten Karten zurückhält, um sie an jüngere Menschen für sieben Euro zu verkaufen, dann verstößt das gegen Sitte und Anstand im Verkaufswesen. Ich fühle mich jedenfalls betrogen. Ich bin mit meiner Freundin am 21. Januar in El Sauzal abends in ein gutes Restaurant gegangen und haben dort ganz leckeren Fisch in der Salzkruste gegessen, und Zuhause hatten wir dann ganz viel „Lust auf Klassik“ von einer guten CD. Auch für ältere Menschen hier auf der Insel sind 140 bis 170 Euro für zwei Eintrittskarten zuviel Geld. Nein Danke - dann ohne uns in Zukunft. Wir sind schon sehr oft im Auditorium gewesen. Die Akustik ist sehr gut und man kann von allen Plätzen gut sehen. Als ich am 20. Januar von Santa Ursula zum Auditorium gefahren bin, lag das Gebäude vollkommen im Dunkeln. Die Außenbeleuchtung war abgeschaltet. Nur ein paar Deckenstrahler aus dem überhängenden Dach strahlten herunter. Ist das der Anfang vom Ende? Quo vadis, Auditorium von Santa Cruz?
Reinhold Metje Santa Ursula
Sehr geehrter Herr Metje, dass es an der Abendkasse kaum noch Karten für das London Philharmonic Orchestra gab hat vermutlich zweierlei Gründe. Zum einen, dass das LPO ein bedeutendes Orchester ist und man auf Teneriffa nicht alle Tage die Gelegenheit hat, solch renommierte Orchester zu hören. Zum anderen, dass für das Musikfestival nicht nur Einzelkarten, sondern auch die sogenannten „Abonos“ verkauft werden, Abonnements für mehrere Konzerte. Es gibt viele langjährige Musikfestival-Abonnenten, die bei jedem Konzert folglich ihren Platz reserviert haben, aber nicht jedes Konzert besuchen. Wir können uns nicht vorstellen, dass Ihnen absichtlich nur teure Karten angeboten wurden. Die (neue) Aktion, kurz vor Konzertbeginn günstige Karten für junge Menschen anzubieten wurde von der Festivalleitung gestartet, um dem jungen – meist wenig vermögenden – Publikum den Zugang zur Klassik zu ermöglichen.