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Ausgabe: Nr. 115 vom 21. Juli - 10. August 2010
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Wohin mit Spaniens Atommüll?

Streit um atomares Endlager

Wie in allen Ländern, die auf Atomkraft setzen, ist auch in Spanien das Problem der Endlagerung der radioaktiven Abfälle nicht gelöst.



Atommülllager Habog: „wie jeder andere Industriebetrieb“
Galerie© EFE
Atommülllager Habog: „wie jeder andere Industriebetrieb“
04.02.2010 - Spanien - Madrid - Bisher behalf man sich mit der Lagerung in Wasserbecken, die einen Teil der Strahlung absorbieren. Doch gibt es auch Lager „an der frischen Luft“, wie beim Atomkraftwerk Trillo (Guadalajara), dessen Becken längst voll ist. So stehen die Fässer nun auf einem Gelände, das immerhin überdacht ist. Ähnlich sieht es beim Reaktor von Zorita aus, der 2006 aus Altersgründen abgeschaltet wurde: Hier stapeln sich die Fässer im Freien, nur durch einen Zaun geschützt. Fotografiert werden dürfen diese Zustände nicht, das verbot die Guardia Civil.
Um endlich eine Lösung zu finden, beschloss der Kongress 2004, ein atomares Endlager einzurichten. Es soll sich am Vorbild von Habog in Holland orientieren. Zuständig dafür ist die Gesellschaft „Empresa Nacional de Residuos Radiactivos“ (Enresa), die auf eigene Kosten zu Reisen nach Hol­land einlud, damit die Bürger von eventuell betroffenen Gemeinden sich anschauen können, wie sauber und ordentlich ein holländisches Atommülllager geführt wird. Diese Überzeugungsarbeit ist nötig, denn wie überall sind die Anlieger von einer solchen Idee nicht begeistert. Auch die Par­tei­führungen der PSOE, der CiU und anderer Parteien halten sich bedeckt oder sind dagegen – zumindest nach au­ßen. Hinter den Kulissen werden jedoch harte Konkurrenzkämpfe um den Zuschlag für das Lager ausgefochten. So haben sich u.a. Yebra, Ascó, Merindad de Cuesta Urría und Tivissa als Standorte beworben, was auf den finanziellen Anreiz, den die Regierung in Aussicht stellt, zurückzuführen ist. 700 Millionen Euro beträgt die Gesamtinvestitionssumme sowie sechs Millionen jährlich, die direkt an die Gemeinde fließen sollen. Orte in der Nähe von bestehenden Atomkraftwerken und mit Eisenbahnanbindung werden bei der Auswahl bevorzugt.
Eine Folge dieser Politik ist, dass die Gemeinden über die Bewerbungen ihrer Bürgermeister tief gespalten sind. Die Umweltschützer wollen einem Endlager nur unter der Bedingung zustimmen, dass parallel dazu ein Zeitplan zum Ausstieg aus der Atomenergie vorgelegt wird, was die Regierung bisher ablehnt. Die Vizepräsidentin der PSOE hat keine Zweifel an der Sicherheit eines solchen Endlagers und fordert Respekt vor den Entscheidungen der Gemeindeautonomie. Die holländische Kleinstadt Borssele, in deren Industriegebiet das Atomlager liegt, hat jedenfalls keine Prämien als Standort des Lagers bekommen. Der Direktor der Anlage, Hans Codee, meint dazu: „Wir bezahlen Steuern wie jeder andere Industriebetrieb auch, aber keine Sonderzulage wie in Spanien. Wenn man mit so etwas anfängt, dann muss man am Ende auch für Flughäfen, Straßen usw. zahlen.“



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