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Ausgabe: Nr. 117 vom 25. August - 7. September 2010
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Jubiläen sind ja immer auch ein Anlass zur Standortbestimmung. Warum also nicht auch mal bei Humboldt?





16.07.2009 - - Der Begründer der Pflanzengeografie hat sich 1799 bei einem Zwischenstopp auf seiner Reise nach Südamerika etwa eine Woche auf Teneriffa aufgehalten und dort die ersten und wesentliche Impulse für diese Wissenschaftsrichtung bekommen. Aber das ist eher für die Fachleute wichtig. Auch war er im Botanico, der aber mit diesem Mann keine Werbung macht. Den Humboldt-Blick hat er ganz sicher nicht erfunden. Er kam von Tacoronte auf der damaligen Straße ins Orotava-Tal und hat dort als erstes die beinahe ideal erkennbare Höhenzonierung der Vegetationsgürtel studiert – also Wissenschaft pur. Das war bestimmt eine Sternstunde der Wissenschaft. Man kann das heute noch in seinen Reise­erinnerungen nachlesen.
Statt dieser von ihm selbst verbürgten Fakten lesen wir nur immer wieder in Reiseführern und anderen Quellen Rührseliges über den Humboldt-Blick. Er ist aber damals nicht ergriffen vom Pferd gestiegen, hat keine Tränen der Rührung vergossen und auch nicht die oft zitierten Worte seinem Schreiber diktiert. Er hatte nämlich keinen Schreiber. Die Worte auf der Gedenktafel am Humboldt-Blick und in diversen Druckerzeugnissen stammen aus seinen Jahre später erschienenen Reise­erinnerungen (Reise zu den Aequinoctien...). Wer sie aufmerksam liest, bemerkt leicht, dass Humboldt sie nicht bei seinem Besuch gesagt haben kann: Er reiste nämlich erst von Teneriffa aus zum Orinoco und den anderen erwähnten Gegenden.
In den 1960er Jahren hat man mir ernsthaft die Palme gezeigt, unter der sich das Rührstück abgespielt haben soll. Die hätte schon damals knappe 200 Jahre alt sein müssen und wäre damit heute erst recht eine Sehenswürdigkeit. Sie steht auf dem Rücken oberhalb des versperrten Humboldt-Blicks, der also bei Licht betrachtet auch nur ein Fake ist. Wer auch immer diese Bezeichnung erfunden hat, es ging nicht um Humboldt oder Fakten zur Insel. Um für die Insel bedeutsam zu sein, war Humboldts Aufenthalt viel zu kurz. Es ging um Vermarktung, also um Geld. Und das ist bis heute so geblieben, wie man am verbauten Humboldt-Blick sieht.
Moral: Wenn Politiker Projekte in die Landschaft stellen, hat das nicht unbedingt etwas mit Sachverstand zu tun, sondern mit Gewinnstreben. So wie beim Hafen von Granadilla, bei  den Urbanisationen von Las Teresitas usw... Aber das sind natürlich andere Baustellen.

Michael von Levetzow
zurzeit Pforzheim






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